Der Soziologe Armin Nassehi (München) hat als sein „Buch des Jahres“ (SZ 27.12.16)
Helmuth Plessners „Die Grenzen der Gemeinschaft“ (1924)
ausgesucht. Er schreibt:
„Der Philosoph Helmuth Plessner (1892-1985) wendet sich in die ‚Grenzen der Gemeinschaft‘ nicht nur gegen sich radikalisierende Ideologien der Gemeinschaftlichkeit, sondern auch dagegen, diese mit einer Ideologie der besseren Gemeinschaft zu bekämpfen. Dem alten bösen ‚Wir‘ nicht mit einem neuen romantischen ‚Wir‘ zu begegnen, sondern nach Bedingungen für
Takt, Distanz und zivilisatorische Gelassenheit
zu suchen, darum geht es. Dass sich selbstdistanzierte ‚Masken‘ zivilisierter, vor allem weniger nervös begegnen können als Ensembles authentischer Bekenntnisse, könnte die Gesellschaft von den Zumutungen gemeinschaftlicher Identitätspolitiken befreien. Was für eine utopische Anti-Utopie! Gegen den sozialen Radikalismus und seine sozialradikale Bekämpfung hätte das Buch 2016 geschrieben werden müssen, wenn es nicht schon 92 Jahre existierte.“