Die deutsche Kultusministerkonferenz möchte die Nutzung privater Smartphones im Unterricht. Das hat deren Präsidentin, die Bremer Bildungssenatorin Claudia Bogedan, bekannnt gegeben. Ein Handyverbot in den Schulen sei heute nicht mehr zeitgemäß. Da schon fast alle Kinder ein Handy besäßen, sei es sinnvoll, diese didaktisch in allen Schulfächern einzusetzen. Die Lehrer müssten darauf vorbereitet werden. Dann könnten sie ihren Schülern z. B. beibringen, wie man mit
Shitstorms
und
rassistischen Postings
umgeht.
„All dies sollte geschehen, indem man auf die Chancen blickt. Schon jetzt ist es so, dass laut medienpädagogischen Studien etwa die Hälfte der Jugendlichen ihr Smartphone für die Schule sinnvoll nutzt: um im Chat herauszubekommen, welche Hausaufgaben in Biologie anstehen oder zur Recherche für Referate in Deutsch. Denn in welchem Haushalt stehen noch meterlange Enzyklopädien im Regal? Und zugleich hat nicht jede Familie die Mittel, das Kind mit einem Smartphone auszustatten. Hier sind Förderprogramme nötig; auch diese müssen die Kultusminister entwickeln.“ (Ulrike Heidenreich, SZ 9.12.16)
Klaus Wolschner hat für die taz (22.11.16) den Hirnforscher Gerhard Roth gefragt, ob der Einsatz von Smartphones in Schulen sinnvoll ist.
Roth: Als Neurobiologe, der sich mit der kindlichen Entwicklung beschäftigt, bin ich sehr zurückhaltend, wenn es um Kinder bis zum Alter von vier Jahren geht. Die Entwicklung ihrer Gehirne und ihrer Psyche würde vermutlich negativ davon beeinflusst. Es gibt dazu allerdings keine seriösen Langzeit-Studien, und jeder, der dazu redet, redet aus seinem Bauch heraus.
taz: Sie haben in einem Ihrer Bücher beschrieben, wie stark Bildung mit Persönlichkeit zu tun hat. Kann sich Schüler-Persönlichkeit vor dem Bildschirm entwickeln?
Roth: Zumindest nicht im Kindesalter. Die Lehrerpersönlichkeit und die Beziehung des Lehrers zum Schüler ist mit Abstand der wichtigste Lernfaktor. Rund 50 Prozent des Lernerfolgs hängt von dem Vertrauen in den Lehrer ab, der vor mir steht, in dessen Augen ich sehen kann, und der mich anschaut, den ich spüre. Das beflügelt mein Gehirn, sich zu merken, was ich da höre. Deshalb müssen Lehrer kompetent, feinfühlig und vertrauenswürdig sein, und die Schüler müssen sich akzeptiert fühlen. Wie vertrauenswürdig und feinfühlig ist ein Handy? Bei älteren Schülern kann das Tablet eine wunderbare Hilfe sein, wie Schulbücher, wenn der Lehrer professionell damit umgeht.