Der Deutsche Presserat ist die Institution zur Selbstkontrolle der Presse, bei dem Journalisten und Verleger paritätisch und auf Beschwerden von Bürgern hin Fälle der Berichterstattung auf ihre Stimmigkeit hin überprüfen. Er kann Rügen aussprechen. Die meisten Rügen hat bisher die „Bild“-Zeitung bekommen. Der Deutsche Presserat ist 60 Jahre alt geworden. Die Festrede dazu hielt Bundespräsident Joachim Gauck.
Er beschäftigte sich mit dem
Vertrauensverlust des Journalismus
und mit der Qualitätskontrolle. Dabei machte er es sich, wie üblich, nicht leicht. Gauck sah das Kennzeichnende für den modernen Journalismus in der Digitalisierung und in der Ergänzung durch die sozialen Medien und versuchte, den Begriff der „Lügenpresse“ richtig einzuordnen. „Doch wer behauptet, eine fehlerfreie Berichterstattung sei nicht etwa Ausnahme, sondern Regel, nicht Unzulänglichkeit, sondern Vorsatz, der hat vermutlich weniger die Wahrung der Sorgfaltspflicht im Sinn als vielmehr die Bestätigung seiner Überzeugung, dass überall nur gelogen und betrogen werde.“
Presserats-Sprecher Manfred Protze ergänzte: „Niemand von jenen, die das Kampfwort im Munde führen, hat bisher versucht, in einem ordentlich geführten Prüfungsverfahren beim Presserat, den Vorwurf der Lügenpresse zu untermauern.“ (Jens Schneider, SZ 2.12.16)