Der Anführer der US-Studentenbewegung der sechziger Jahre, Tom Hayden, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Er hatte 1960 „Students for a Democratic Society“ (SDS) mit begründet. Im Sommer des gleichen Jahres traf er mit
Martin Luther King
zusammen, der aus ihm einen politischen Aktivisten machte. In dieser Zeit gingen viele junge Weiße aus den Nordstaaten in den Süden, um gegen die
Rassentrennung
zu protestieren. In der Gefängniszelle schrieb der 22-jährige Tom Hayden das „Port Huron Statement“, das 64-seitige Gründungsmanifest der Neuen Linken in den USA. Aber der Antikapitalismus ließ sich eben in den USA nicht machen.
Hayden wurde der Star der Vietnamkriegs-Gegner und fuhr nach Nordvietnam. 1968 organisierte er die Proteste am Rande des Parteitags der Demokraten in Chicago, die in Straßenschlachten mit der Polizei und der Nationalgarde endeten. Als Aufrührer angeklagt, wurde er in einem spektakulären Prozess freigesprochen. In dieser Zeit heiratete er die Filmschauspielerin
Jane Fonda.
1982 begann Hayden seinen Marsch durch die Institutionen. Er wurde ins kalifornische Abgeordnetenhaus und in den Senat gewählt. Noch nach 2000 engagierte sich Hayden gegen die US-Interventionen in Afghanistan und Irak. Er schrieb: „Selten, wenn überhaupt in der amerikanischen Geschichte hat eine Generation mit größeren Idealen begonnen und traumatischere Enttäuschungen erlebt als die, die in den kurzen Jahren zwischen 1960 und 1968 lebte.“ (Reymer Klüver, SZ 25.10.16)