1259: Hermann Kant 90

Hermann Kant hatte das Pech, Schriftsteller in der DDR und als Nachfolger von Anna Seghers ab 1978 Präsident des Schriftstellerverbands der DDR zu sein. Denn Kant war ein großer Schriftsteller, der sich mit seinen drei Romanen „Die Aula“ (1965), „Das Impressum“ (1974) und „Der Aufenthalt“ (1977) einen festen Platz in der deutschen Literaturgeschichte erschrieben hat. Er hat in seinen jungen Jahren als Journalist gearbeitet und viele Erzählungen geschrieben. Darin fing er den „Stagnationssozialismus“ ein.

Als überzeugter Kommunist und Schriftsteller-Funktionär wurde Kant zwangsläufig in die Machtspiele von SED und Staat verwickelt. Und dabei hat er wohl keine rühmliche Rolle gespielt. Etwa als am Ende der siebziger Jahre nach der Ausbürgerung Wolf Biermanns 1976 „unbotmäßige“ Kollegen wie Adolf Endler oder Stefan Heym gemaßregelt wurden. Kants Gegner behaupten, es sei ihm immer nur um seine Machtposition gegangen. Kant hat sich dagegen – insgesamt wohl vergeblich – verteidigt. Zuletzt in seinen Erinnerungen mit dem Titel „Abspann“ 1991.

Hermann Kant hatte nach dem Krieg, an dem er als Wehrmachtssoldat noch teilgenommen hatte, er geriet in Polen in Gefangenschaft, zunächst an der Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF) in Greifswald studiert. Daran schloss sich das Studium der Germanistik an der Humboldt-Universität Berlin an. Kant wurde Assistent von Alfred Kantorowicz, einem bekannten Spanienkämpfer. Um seiner Verhaftung zu entgehen, floh Kantorowicz 1957 nach West-Berlin. Kant blieb in der DDR.

In seinem ersten großen Roman „Die Aula“ lässt Kant einen sehr unsympathischen Antifaschisten vorkommen und berichtet ausführlich von einem Republikflüchtling. Dieser „Quasi“ Riek war organisatorisch und rhetorisch sehr versiert. Er verließ die ABF in Richtung Westen. Wahrscheinlich im Auftrag der Stasi als „Kundschafter“ (Jens Bisky, SZ 14.6.16). Ich habe die Romane Hermann Kants in den siebziger jahren gerne gelesen.

 

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