Seit 1957 hat Rudolf Chimelli, der jetzt einen Tag vor seinem 88. Geburtstag in München gestorben ist, für die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) geschrieben. 1964 ging er nach Beirut (Libanon), danach berichtete er aus der Sowjetunion, von 1979 an aus Frankreich. Am 2. April 2016 erschien sein letzter Leitartikel. Rudolf Chimelli war der „Senior Foreign Corresponent“ der SZ. „Einen wie ihn wird es in der SZ und im deutschen Journalismus nicht mehr geben.“ (Kurt Kister, SZ 25.4.16)
Der 1928 geborene Chimelli war überall als „Weltmann“ angesehen, er sprach viele Sprachen. 1956 hatte er am Werner-Friedmann-Institut, der heutigen Münchener Journalistenschule, eine Grundausbildung absolviert. Sein langes und abwechslungsreiches Journalistenleben ist die Quelle unzähliger Anekdoten. Seine Pariser Wohnung mit Blick auf den Eiffelturm gehörte insbesondere zum SZ-internen Legendenstoff. Nie plusterte Rudolf Chimelli sich auf. Bei ihm fand man nicht den schwer erträglichen Antiamerikanismus eines berühmten Kollegen. Rudolf Chimelli gehörte am Ende des letzten Jahrhunderts in die goldene Zeit der Auslandskorrespondenten.
Sein Chefredakteur Kurt Kister schreibt über ihn: „Vielleicht ist das die richtige Beschreibung für Rudolf Chimelli: Augenzeuge einer Ära. Seine Zeugenschaft hat er verlässlich über Jahrzehnte in dieser Zeitung abgelegt, er hat berichtet und kommentiert, er hat analysiert und er hat nüchtern und präzise beschrieben, was er sah. Er war kein Blender und hat nicht schwadroniert, wie das manche Reporter gerne tun. Er war ein Gentleman-Reporter.“