1223: Ponkie ist 90.

Ilse Kümpfel-Schliekmann kennen wir Zeitungsleser unter ihrem Künstlernamen

Ponkie

als Fernsehkritikerin der Münchener „Abendzeitung“ (AZ). Sie schreibt dort seit 1956. Heute immer noch dreimal die Woche. Schon die Filmemacher des „Jungen deutschen Films“, die 1962 unter der Ägide von Alexander Kluge das

Oberhausener Manifest

verfasst hatten, hat Ponkie unterstützt. Insbesondere waren das

Volker Schlöndorff und Rainer Werner Fassbinder.

Später kam Helmut Dietl dazu. Ponkie (der Name stammt aus der Studienzeit) ist gerade 90 Jahre alt geworden. Sie schreibt häufig sehr kurz und zugespitzt. Zur Erdogan-Affäre fiel ihr folgendes ein:

„Der Herr läuft blau an vor Empörung und kläfft ins ‚Nachbarland‘ hinüber, man möchte dem Missetäter doch gefälligst den Prozess machen und ihn anschließend gleich teeren und federn oder am nächsten Laternenpfahl aufhängen. Notfalls wäre man auch mit einer Verurteilung zu mindestens zwanzig Jahren Gefängnis zufrieden. Jetzt fühle ich mich allerdings als Zuschauer beleidigt wegen Verhöhnung meiner Intelligenz.“ (Hannes Hintermeier, FAZ 16.4.16)

David Denk und und Benedikt Frank haben Ponkie für die SZ (16./17.4.16) interviewt, die zum gleichen Verlag gehört wie die AZ.

SZ: Aber vor allem im Privatfernsehen laufen doch viele US-Serien.

Ponkie: Das Privatfernsehen klammere ich in meinen Kritiken weitestgehend aus, weil es mir zu albern und zu primitiv ist.

SZ: Ihr Ideal wäre also, dass die Macher dem Publikum mehr zumuten?

Ponkie: Ich würde mir schon wünschen, dass es mehr Wagnisse gibt und weniger Rücksichten auf die sogenannten Sehgewohnheiten des Publikums. Bis in die Siebzigerjahre hinein war das Fernsehen ein interessantes Medium. Der Gesamteindruck war: Man kann ab und zu Qualität sehen. Und das ist dann abgeflacht, als das Fernsehen, nicht zuletzt durch die Privatsender, zum reinen Unterhaltungsmedium wurde.

SZ: Wagen es die Kollegen, Ponkie zu redigieren?

Ponkie: Redigieren gibt’s nicht. Punkt. Das ist ein Privileg, das ich in der alten ‚Abendzeitung‘ bald hatte und auf das ich heute noch viel Wert lege. Mein Name steht schließlich unter dem Text, und damit trage ich auch die Verantwortung dafür, dass das inhaltlich in Ordnung ist.

SZ: Sie schreiben über ein Medium, das sich aus ihrer Perspektive zu seinem Nachteil verändert hat, leben in einem Bundesland, regiert von einer Partei, von der sie – gelinde gesagt – nicht sonderlich viel halten. Aber Sie sind München und dem Fernsehen immer treu geblieben. haben Sie eine masochistische Ader?

Ponkie: Masochistisch ist gut, ja. Ich bin ein altes SPD-Mitglied, ich wähle und schreibe sozialdemokratisch. Resignieren jedenfalls kommt nicht in Frage.

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