Maxim Biller (geb. 1960 in Prag) zehrt immer noch von dem Skandal um seinen Roman „Esra“ (2003). Er konnte nicht erscheinen, weil Billers ehemalige Freundin und deren Mutter sich darin wiedererkannten und per Klage das Erscheinen des Romans verhinderten. Billers Kolumnen in der „Fankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ (FAS) lese ich regelmäßig. Nun erscheint am 8. April Maxim Billers neuer Roman
Biografie. Köln (Kiepenheuer & Witsch) 2016, 896 S.; 29,99 Euro.
Dazu hat Adam Soboczynski Maxim Biller interviewt (Die Zeit 3.3.16). Im Interview spricht Biller ständig von „den Deutschen“. Der Kürze halber bringe ich hier einige Aussagen Billers, der anscheinend um der Werbung willen auf Provokation setzt.
„Alle haben in diesem Roman Schreckliches erlebt. Die Familien haben den Holocaust oder den Stalinismus durchlitten, der
Sex
ist ein Mittel damit umzugehen. Es ist eine Binsenweisheit, aber das macht sie nicht falsch: In der Sexualität verdichten sich gute und schlechte Aspekte jeder Biografie.“
„Es gibt ja in der deutschen Literatur keinen Sex. … Deutsche Leser sind prüde.“
„Wenn du den ganzen Tag den Leuten eintrichterst: Wir waren Nazis, und ihr dürft keine sein … also, wenn ich jetzt 15 und nicht ich wäre, hätte ich größte Lust, kurz Nazi zu werden.“
Zu Migranten: „Ich frage mich manchmal, wie die Deutschen reagieren würden, wenn Millionen Juden auf der Flucht wären und nach Deutschland kämen. Ob dann auch die ganzen Teddys und Luftballons an den Bahnhöfen verteilt würden? Es kommen viele Menschen aus Ländern, die sich seit Jahrzehnten im Krieg mit Israel befinden. Ich habe das Gefühl, dass man Partei ergreift, ohne sich dessen bewusst zu sein. Da sind ja Leute dabei, die in der dritten, vierten Generation gehirngewaschen sind. Die denken, dass Juden kleine Kinder essen. … Es gibt offenbar eine unbewusste, klammheimliche Solidarität mit den Gegnern Israels.“
Über die Deutschen. „Weil ich mit meiner Literatur zur deutschen Literatur gehören möchte – es ist wahrscheinlich das alte Heinrich-Heine-Drama – und hoffentlich auch gehöre, ich stehe ja zum Glück nicht außerhalb. Ich will meine Welt teilen. Und ich will, dass die Deutschen ihre Welt mit mir teilen.“
Ich werde Maxim Billers Roman bestimmt lesen.