In unserer Bibiliothek steht Heinrich Gerlachs Roman
Die verratene Armee. München (Deutscher Taschbuchverlag) 1962 (1957), 313 S.
Meine Frau hat ihn als Schülerin (Abitur 1966) noch gelesen. Und sie kannte den Autor Heinrich Gerlach (1908-1991) persönlich. Er war Lehrer am Gymnasium Brake, wo sie Schülerin war. Sie hatte ihn aber nicht im Unterricht. Der Roman war ein Bestseller. Die zehntausend (10.000) Exemplare der ersten Auflage waren schnell vergriffen. Es lagen Anfragen aus aller Welt für Übersetzungen vor. Das Buch wurde in viele Sprachen übersetzt.
Heinrich Gerlachs Roman hat eine eigentümliche, ja einmalige Geschichte. Geschrieben wurde er zuerst bis 1949 in sowjetischer Gefangenschaft. Gerlach hatte als Offizier an der Schlacht um Stalingrad (1942/43) teilgenommen. Aber der sowjetische Geheimdienst entdeckte das Manuskript und auch die eigens angefertigte Miniversion, so dass Gerlach 1950 nach Deutschland ohne das Manuskript zurückkam. Aber er konnte es mit Hilfe eines Hypnotiseurs rekonstruieren. 1957 erschien „Die verratene Armee“. An dem Erfolg wollte der Hypnotiseur partizipieren. Er verlangte Geld von Heinrich Gerlach. Die beiden verglichen sich.
Indessen hatte nach 1990 der Gießener Germanist Carsten Gansel erfahren, dass die Moskauer Archive wieder für die internationale Forschung geöffnet seien. Mit einem Mitarbeiter machte er sich auf nach Moskau. Und tatsächlich fand er dort Gerlachs Originalmanuskript unter dem Titel „Durchbruch bei Stalingrad“. Es erscheint 2016.
Heinrich Gerlach: Durchbruch bei Stalingrad 1944. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Carsten Gansel. Galiani-Verlag, 693 S., 34 Euro.
Verblüffend sind die Übereinstimmungen mit „Die verratene Armee“. Der Schriftsteller Heinrich Gerlach kann wiederentdeckt werden. Er hat einen wirklichen Anti-Kriegsroman geschrieben. Selbst Kriegsverbrechen der Deutschen Wehrmacht werden thematisiert. Der Titel „Die verratene Armee“, der manche von uns an die falsche These von der im Gegensatz zu den Nazis sauberen Armee erinnert, steht für einen Anti-Kriegsroman. Gerlach hat keinen „Offiziersroman“ geschrieben, „sondern dokumentiert – und das macht ihn so besonders – das Leben und Empfinden der Soldaten aller Ränge“ (Julia Encke, FAS 6.3.16).