1153: Islamismus und Front Nationale wollen dasselbe.

Michel Houellebecqs Roman „Unterwerfung“ („Soumission“) trifft offenbar den Nerv der Zeit. An drei deutschen Bühnen kommt der Stoff gerade heraus: am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Staatsschauspiel Dresden und am Deutschen Theater Berlin. Inszeniert wird das Stück in Hamburg von der Intendantin Karin Beier, die Hauptrolle spielt Edgar Selge. Für die SZ (6./7.2.16) hat Alex Rühle die beiden interviewt.

Selge interessiert sich dafür, was noch gültig ist an unserer Kultur, am Christentum, an der Aufklärung. „Nehmen Sie diesen Satz aus dem Roman: ‚Die Idee der Göttlichkeit Christi (…) sei der grundlegende Irrtum, der unausweichlich zu den Menschenrechten und dem Humanismus geführt habe.‘ Da wird alles drei denunziert, Christentum, Humanismus, Menschenrechte. Bei mir bewirkt der Satz aber das Gegenteil. Wir sehen Aufklärung und Christentum als Gegensatz. Vielleicht ist ja das Tolle, dass die Christusfigur erstmals zeigte, was Menschenrechte und Humanismus bedeuten.“

Beier antwortet auf die Bemerkung „Das Provokante des Buches ist der lasche Opportunismus der Pariser Elite, die geschmeidig zum Islam konvertiert.“: „Das ist der Kern. Wie leichtfertig sie alle ihre bis dahin gültigen Werte über Bord werfen. Francois konvertiert nicht aus spirituellen Gründen, sondern genau aus den Gründen, die Houellebecq an der westlichen Gesellschaft kritisiert: der Turboindividualismus, bei dem es nur eine Frage gibt: ‚Was springt für mich dabei raus?‘ Drei Frauen? Gut, ich bin dabei. Dass alle Frauen da beschädigt rausgehen, spielt keine Rolle. Er bringt in seiner Schilderung des sanften Islamismus immer wieder die extremistischen Erzfeinde in Deckung, indem er zeigt, dass Islamisten und Front Nationale dasselbe wollen:

Rückabwicklung der emanzipierten Moderne, rurale Gesellschaft, konservative Rollenmodelle. Einziger Unterschied: die einen mit, die anderen ohne die Muslime.“

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