1107: Elias Canetti „Das Buch gegen den Tod“

Seit 1942 hat Elias Canetti (1905-1994) Gedanken gegen den Tod notiert. Sehr viele. Ein Drittel von Canettis hinterlassenen Aufzeichnungen sind mit dem Tod befasst. Das war eine fixe Idee von ihm. Aber er hat daraus nie ein Buch gemacht, sondern einzelne Aspekte in verschiedenen Anthologien erscheinen lassen. Das Buch kommt erst jetzt heraus in einer Edition unter der Leitung seiner Tochter Johanna Canetti:

Das Buch gegen den Tod. Mit einem Nachwort von Peter von Matt. Frankfurt/Main (S. Fischer) 2015, 352 S., 10,99 Euro.

Das Buch enthält viele unveröffentlichte Stücke. Es beschimpft den Tod, macht ihn herunter, denunziert ihn, versucht, ihn seiner Allmacht zu berauben. Natürlich ist es ein Buch gegen Gott. Es wird vom Paradox bestimmt. Canetti wird persönlich böse gegen Nietzsche und Max Frisch und andere.

Weiterführend ist ein Vergleich mit den Einordnungen des Todes an anderer Stelle: als Teil des Lebens, als Sinn des Lebens, als Übergang in die ewige Seeligkeit und was der verständlichen, aber inplausiblen Einordnungen mehr sind. Cabettis Buch ist nichts für zarte oder fromme Seelen. Verschonen wir sie damit. Das ertragen sie nicht.

Aber wir dürfen das Buch doch lesen, in dem Canetti schreibt: „Mich zwingt niemand am Leben zu bleiben. Darum liebe ich es so. Es ist wahr, die Späteren, bei denen der Tod verpönt sein wird, werden diese eine größte Spannung nicht mehr kennen, und sie werden uns um etwas beneiden, auf das wir mit Freuden verzichtet hätten.“ (Fritz Göttler, SZ 8.12.15)

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