Martin Müller ist Professor für Geografie an der Universität Zürich. Er forscht zu Planung und Auswirkungen von Großveranstaltungen. Und er hält ein Plädoyer gegen Olympische Spiele in Hamburg 2024 (SZ 18.11.15).
1. Nach eigenen Planungen benötigt Hamburg 6,2 Milliarden Euro vom Bund. Will selbst 1,2 Milliarden aufbringen. 3,8 Milliarden sollen durch Einnahmen gedeckt werden. Insgesamt 11,2 Milliarden für zwei Wochen Hochleistungssport? Und wer von uns glaubt an die Kostenplanung angesichts des Berliner Flughafens und der Elbphilharmonie?
2. Die Kostenplanung ist unglaubwürdig. Für Sicherheit wird nur ein Drittel dessen vorgesehen, das London dafür verbraucht hat. Für Sportstätten und Infrastruktur nur die Hälfte.
3. Das Ganze ist in Wirklichkeit ein Stadtentwicklungsprojekt für Hamburg. Von Dritten bezahlt. Vom Steuerzahler.
4. Ein Risiko ist die unlimitierte Bürgschaft für das IOC. Denn seit Montreal 1976 wird eine solche Bürgschaft verlangt. Die kanadische Stadt hatte erst nach 30 Jahren ihre Schulden abbezahlt.
5. Anders als für den Berliner Flughafen, dessen Eröffnung schon mehrfach verschoben wurde, gibt es für die Olympischen Spiele eine unverrückbare Frist, die eingehalten werden muss.
6. Die Studien, in denen Arbeitsplätze und wachsende Steuern verheißen werden, sind unglaubwürdig. Es fehlt eine nüchterne Kosten-Nutzen-Analyse.
7. Es fehlt zudem die Kalkulation der „Opportunitätskosten“. Damit ist gemeint der entgangene Nutzen, der dadurch entsteht, dass man bessere Investitionsmöglichkeiten beiseite lassen muss.
8. Direkte Investitionen für Wohnungen, Büros und Freizeitanlagen wären besser als die Olympischen Spiele.
9. „Unterm Strich bleiben für Olympia in Hamburg kaum gute Argumente übrig. Stadtentwicklung und Imageförderung betreibt man besser ohne eine solche Veranstaltung. Deshalb werben die Befürworter vor allem mit großen Emotionen und einer gehörigen Portion Lokalpatriotismus. Wer ‚gegen Olympia‘ ist, riskiert als ‚gegen Hamburg‘ abgestempelt zu werden.“ Damit werde ich locker fertig.
10. „Bundeszuschüsse zu Olympischen Spielen gehören abgeschafft, denn sie tragen dazu bei, dass Städte sich um eine Ausrichtung bewerben, weil sie auf zusätzliches Geld hoffen.“
Die Sache wird dann nicht besser, wenn wir an die Korruption im internationalen Hochleistungssport denken (Fifa, Uefa, IOC, IAAF etc.). Eignen sich Olympische Spiele nicht eigentlich besser für Diktaturen wie Russland und China? Im Fernsehen anschauen können wir sie uns ohnehin, denn die dadurch entstehenden Einnahmen sind wesentlicher Bestandteil der Finanzierung.
Also: Bürger Hamburgs, stimmen Sie gegen die Olympische Spiele in ihrer Stadt !