1087: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Der aus Österreich stammende Philosoph und Gesellschaftstheoretiker Karl Raimund Popper (1902-1994) floh vor den Nazis bis nach Neuseeland. Dort brachte er 1945 sein bekanntes Buch „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ heraus. Es beruht auf der Erkenntnis,

dass die Weltgeschichte keinen Sinn hat,

sondern dass wir

ihr nur einen Sinn beilegen können (eine Konstruktionsleistung). Popper, der der Hauptgegner der Marxisten aller Sorten und Grade war, erkannte, dass die Zivilisation ihren universalistischen Anspruch bisher nie voll durchsetzen konnte, sondern dass es eine Dialektik zwischen Aufklärung und Barbarei gibt. Der Kampf um die Freiheit endet nie, er ist ewig.

Ein Anhänger Poppers war der gerade gestorbene ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt. Von ihm stammt der Satz: „Karl Popper hat keine Ethik geschrieben, aber er war ein Moralist.“ Das trifft wohl auch auf Helmut Schmidt selber zu, den manche als geistlosen Macher verkannt haben.

Popper kritisierte die Utopisten von Plato bis Marx, weil sie die Verantwortung für das Handeln, das allein bei den Menschen liegt, auf die Geschichte (etwa im historischen Materialismus) abschieben wollten.

Heute steht die Freiheit wieder auf dem Spiel. Der Kampf gegen den Terrorismus muss auch mit den Waffen des Arguments geführt werden, damit die offene Gesellschaft als Leitbild erkennbar bleibt. „Das ist nicht naiv. Daran hängt alles. Auch unser Wohlstand, der Ausfluss unserer Freiheitsentscheidungen ist.“ (Rainer Hank, FAS 15.11.15)

„In dieser Weise können wir sogar die Weltgeschichte rechtfertigen: sie hat eine solche Rechtfertigung dringend nötig.“ (Karl Raimund Popper 1945)

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