Am 4. November 1995 wurde der israelische Premierminister Jitzchak Rabin von dem Rechtsextremisten Jigal Amir erschossen. Und die interessierten Beobachter wissen, dass die israelische Politik einen solchen Mann wie Rabin wahrscheinlich nicht wiederbekommen wird. Seit 1948 hatte er seinem Land als Soldat gedient. Im Sechstage-Krieg 1967 führte er als Generalstabschef eine Brigade nach Ost-Jerusalem. Als Politiker machte Rabin, ohne Illusionist zu sein, eine konsequente Friedenspolitik. 1993 unterzeichnete er gemeinsam mit Jassir Arafat den Friedensvertrag von Oslo. Dafür wurde er gemeinsam mit Simon Peres und Jassir Arafat mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
In seiner letzten Rede sagte Rabin: „Der Weg des Friedens ist dem Weg des Krieges vorzuziehen. Ich sage euch das als jemand, der 27 Jahre lang ein Mann des Militärs war.“ Nach dem Mord an Rabin setzte sich nicht die Arbeitspartei durch, was moralisch zu erwarten gewesen wäre, sondern Benjamin Netanjahu gewann die Wahlen 1996, weil die Israelis – verständlicherweise – auf „Sicherheit“ setzten und setzen. Bei allem Verständnis dafür kommen wir nicht an der Erkenntnis vorbei, dass seine Politik in die Irre führt. Auf die Dauer verbürgt sie keine Sicherheit.
Jigal Amir hat heute Anhänger unter israelischen Fußballfans. Seine Begnadigung hat Israels Präsident Reuven Rivlin abgelehnt. Nun erschien auf Facebook eine Antwort darauf von Amirs Bruder Hagai. Den Mord an Rabin nennt er darin „vorherbestimmt von Gott“. Der werde auch dafür sorgen, dass „Rivlin aus der Welt verschwindet“ (Peter Münch, SZ 31.10./1.11.15) Dieser Hass macht eine vernünftige Politik so schwer. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass Israel zu einer realistischen Ausgleichspolitik mit den Palästinensern zurückkehrt. Etwas anderes bleibt uns auch nicht.