Im Gefolge des Hitler-Stalin-Pakts von 1939 hat Stalin am 5. März 1940 das Politbüro seine „Entscheidung Nr. 144“ absegnen lassen, wonach 25.700 Polen hinzurichten seien. Hauptsächlich Offiziere und Soldaten, aber auch 800 Ärzte, 300 Ingenieure, 200 Juristen, ebenso Sportler, darunter Fußballnationalspieler. Sie galten ihm als „bürgerliche Individuen“ und damit als Feinde der Sowjetunion.
In den von der Sowjetunion annektierten polnischen Gebieten hatte es vier große Verhaftungswellen gegeben, dabei wurden zehntausende von Juden festgesetzt. Es begann die Deportation zu den Hinrichtungsstätten in Katyn, Smolensk, Charkow und Mednoje. In Smolensk wurden
der Schriftsteller Isaak Babel
und der Regisseur Wsewolod Meyerhold
ermordet.
Als im Juni 1941 Deutschland die Sowjetunion überfiel, wurden die noch lebenden Polen freigelassen, weil man sie als Kämpfer brauchte. Die meisten gelangten in die Armee des Generals Anders und kämpften im Iran und in Palästina in der britischen Armee.
Diese Erkenntnisse hat der langjährige Osteuropa-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), Thomas Urban, in seinem Buch
Katyn 1940. Geschichte eines Verbrechens. München (C. H. Beck) 2015, 249 S.; 14,95 Euro,
präsentiert (Marko Martin, Die Literarische Welt 9.5.15).