916: Rolf Dieter Brinkmann – ein starker poetischer Muskel

Für Heiner Müller war er „das einzige Genie in der westdeutschen Literatur“, Rolf Dieter Brinkmann, 1940 geboren in Vechta, 1975 in London von einem Auto überfahren. Brinkmann absolvierte eine Buchhändlerlehre in Essen, studierte Pädagogik in Köln, lebte aber bald als freier Schriftsteller. Er war ein Rebell der Pop- und Underground-Literatur, ein Quertreiber. 1969 gab er gemeinsam mit Rolf Rainer Rygulla heraus

„Acid. Neue amerikanische Szene.“

Darin präsentierte Brinkmann Literatur der Beat-Generation (Jack Kerouac et alii). Den Literaturbetrieb verachtete der kleine Mann. Einladungen der Gruppe 47 schlug er aus. Marcel Reich-Ranicki rief er einmal zu:

„Wenn dieses Buch ein Maschinengewehr wäre, würde ich Sie über den Haufen schießen.“

Seine Heimatstadt Vechta im Südoldenburgischen hasste der Dichter. Er schrieb: „Geboren zu Anfang des Krieges in Norddeutschland, Vechta im südlichen Oldenburg, einer Kleinstadt von 15000 Einwohnern, ein Schweinelandstrich, leeres Moor … viel krüppiges Grünzeug, katholisch verseucht.“ Es blieb seine „Heimat“. 1972/73 war Brinkmann ein Jahr Stipendiat in der Villa Massimo in Rom, woraus sein 1979 posthum veröffentlichter Roman

„Rom, Blicke“

entstand, ein wildes und obszönes Konvolut aus Briefen, Notizen und Zeitungsausschnitten. 1974 war Brinkmann ein Semester lang Gastdozent in Austin/Texas.

Von Brinkmann sind einige Gedichtbände erschienen. Seine Frau Maleen publizierte weitere Bände. Nicht immer zum Wohlgefallen der deutschen Philologie. 1975 erschien

„Westwärts 1 & 2“,

1985

„Eiswasser in der Guadelupe Street“.

Brinkmanns Roman

„Keiner weiß mehr“ (1968),

in der Tradition des Nouveau Roman, wurde von Ludwig Marcuse sehr gelobt. Rolf Dieter Brinkmann wäre in diesem Jahr 75 Jahre alt geworden (Mareike Nieberding, FAS 3.5.15).

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