Der am Montag gestorbene Günter Grass ist unser deutscher Nationaldichter. Das ist literarisch durch den Literaturnobelpreis von 1999 hinreichend beglaubigt. Seine Sprachmacht war einmalig. Er hat freilich nie mehr die literarischen Höhen der „Blechtrommel“ (1959) erreicht, aber das teilt er ja mit vielen großen Schriftstellern.
Wichtiger noch als Schriftsteller aber war Günter Grass als öffentliche Institution, als Intellektueller, als politischer Kommentator und Kritiker. Er hat sich eingemischt und durch sein Engagement Maßstäbe gesetzt. Vieles davon ist unvergessen, sein Eintreten gegen Extremismus, sein Engagement für die deutsch-polnische Aussöhnung und manches andere.
Mit den Deutschen war er durch seine Biografie eng verbunden. Etwa durch sein spätes Bekenntnis (2006), dass er als junger Mann Mitglied der Waffen-SS gewesen war (vgl. W.S.: Deutsche Diskurse. Hamburg 2009, S. 171-181). Die Wiedervereinigung Deutschlands hat Grass abgelehnt, sie erschien ihm als Anschluss der DDR an die BRD (vgl. W.S.: Deutsche Diskurse. Hamburg 2009, S. 63-88). Hoffentlich wird sein anti-israelisches Gedicht „Was gesagt werden muss“ (2012) nicht einmal prophetisch.