858: Michnik: Waffen für die Ukraine

Der polnische Bürgerrechtler Adam Michnik, der zu den Freiheitskämpfern gehört hat, die Polen von der sowjetischen Vormacht befreit haben, ist heute Chefredakteur der Tageszeitung „Gazeta Wyborcza“. Er verlangt Waffen für die Ukraine. In Frankreich wurde er interviewt (FAS 1.3.15, Übersetzung: Annabelle Hirsch).

Muss man das ukrainische Militär mit Waffen beliefern?

Michnik: Ja. Gegenüber Putin bleibt uns keine Wahl, wir müssen entschieden und sachlich handeln. Europa wird drakonische wirtschaftliche und politische Maßnahmen ergreifen müssen. Putin versteht nur Machtworte. Der Westen muss sich darauf vorbereiten, der Ukraine auch militärisch beizustehen. …

Befürchten Sie, dass die europäische Solidarität mit der Ukraine zusammenbricht?

Michnik: Ich sehe die Gefahr, dass eine ‚Businesslogik‘ überhandnimmt. Dass die Deutschen am Ende doch ihre Wirtschafts- und Energiebeziehungen mit Russland privilegieren oder dass Frankreich die Mistral-Schiffe doch irgendwann an Russland liefert. Die Frage bleibt deshalb offen, und wir Polen sind besorgt: Wird die Europäische Union wachsam bleiben? Wird sie diese Politik konsequent weiterverfolgen? …

In einer Sammlung ihrer Gespräche mit Bernard Kouchner, dem ehemaligen Außenminister Frankreichs, die im vergangenen Jahr in Polen und Frankreich erschienen ist, haben Sie geschrieben, dass ‚die Ukraine vielleicht der Anfang vom Ende von Putin‘ ist. Warum?

Michnik: Das ukrainische Abenteuer Putins erinnert mich an das afghanische Abenteuer der Sowjetunion ab 1979. Russland ist immer isolierter. Seine Wirtschaft ist schwer angegriffen, die Sanktionen schrecken ausländische Investoren ab, das Kapital zieht sich zurück, der Rubel bricht ein. Rational betrachtet macht der Ukraine-Feldzug weder Sinn noch ist er wirksam. Er ist ein Beweis für die Schwäche Russlands, er weist auf die Paradoxie hin: ein schwaches Regime mit einer starken Armee. Keine sehr starke, aber eine relativ starke. In Zeiten der Globalisierung ist das ukrainische Abenteuer absurd. …

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