850: Belastet: Armin Klümper und Joseph Keul

Der heute 65 Jahre alte und in Melsungen (Nordhessen) lebende Alwin Wagner war fünf mal deutscher Meister im Diskuswerfen, bei Olympia 1984 wurde er Sechster. Seine Bestweite lag bei 67,80. Damit würde er heute noch die meisten Wettkämpfe gewinnen.

Alwin Wagner hat systematisch gedopt. Das bekennt er auch. „Ich habe acht Jahre lang Dopingmittel bekommen, verschrieben von Armin Klümper. Häufig sogar auf Blanko-Rezepten.“ Klümper lebt heute in Südafrika.

Angeregt zum Dopen wurde Wagner durch den damaligen Bundestrainer Karl-Heinz Steinmetz. „Er hat mir gesagt, ich sei ein großes Talent, aber ich würde niemals zu großen internationalen Wettkämpfen kommen, wenn ich das nicht so wie die anderen machen würde. Ich hab dann mal so eine Packung von ihm bekommen und dann ging das los.“

„Drei bis vier Monate am Stück und dann vierzehn Tage vor den Wettkämpfen absetzen, damit man nicht erwischt wurde. Ich habe in diesem Jahr zehn Kilo zugenommen und mich auf 66,50 Meter gesteigert. Ich war plötzlich unter den zehn Besten der Welt. Aber ich hab’s dann richtig mit der Angst bekommen, weil ich eigentlich vom Aussehen her ein ganz anderer Mensch war.“

Dass die verabreichten Mittel langfristige Folgen haben könnten, darüber wurde Wagner nie aufgeklärt. Auch von Joseph Keul nicht, bei dem er zur internistischen Untersuchung war. Der damalige DLV-Präsident August Kirsch wollte über das Doping von Wagner nichts hören. Das Kartell des Schweigens war und ist extrem. Wagner hält heute Vorträge über Doping. Er ist davon überzeugt, dass die Politik das System Freiburg (mit Armin Klümper und Joseph Keul) nicht nur geduldet, sondern gefördert hat (Klaus Schlütter, Die Welt 21.2.15).

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