831: Literaturnobelpreisträger Winston Churchill

Vor fünfzig Jahren im Januar 1965 starb Winston Churchill (geb. 1874), der langjährige britische Premierminister und Überwinder des Faschismus in Europa. Damit war eine Zeitenwende bezeichnet von der alten imperialistischen und kolonialistischen Epoche hin zu einem modernen und freien Europa. In der Schule war Churchill nicht besonders erfolgreich gewesen, hatte sich weithin autodidaktisch ausgebildet. Dafür bekam er 1953 den Nobelpreis für Literatur „für seine Meisterschaft in der historischen und biografischen Darstellung sowie für die glänzende Redekunst, mit welcher er als Verteidiger von hohen menschlichen Werten hervorgetreten ist“.

Begabt war der aus altem Adel stammende Journalist und Schriftsteller vor allem für den Krieg. Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert war er als Kriegsberichterstatter in fünf Feldzügen tätig (Kuba, Indien, Sudan, Mozambique, Südafrika). Im Burenkrieg glänzte er mit Kabinettsstückchen. Mutig war er auch. Und ehrgeizig. Blieb Zeit seines Lebens seinen Faibles für Zigarren und – vor allem – für Whisky treu. Politiker wurde Churchill erst in dritter Linie. Trotzdem kündigte der alte Mark Twain den jungen Churchill in New York mit den Worten an: „Held von fünf Kriegen, Autor von sechs Büchern und künftiger Premierminister von England.“

In der Politik fiel Churchill durch seine Wechsel auf, 1904 von den Konservativen zu den Liberalen, 1924 zurück. Das haben ihm die Tories de facto nie verziehen. Lloyd George dazu: „Eine Ratte kann zwar ein sinkendes Schiff verlassen; aber wieder einsteigen, wenn das Schiff dann doch nicht sinkt, das kann sie nicht.“ Demgegenüber Kardinal Newmann: „Leben heißt, sich ändern, und vollendet zu sein, heißt, sich oft geändert zu haben.“ Churchill wurde früh Minister in sehr unterschiedlichen Ressorts. Von Wirtschaft und Finanzen verstand er sein ganzes Leben nichts. Seine zutiefst konservative Prägung erfuhr der niemals besonders kirchennahe Politiker durch seine Gegnerschaft zur russischen Revolution 1917. Auch hier hatte er, wie wir heute wissen können, die richtige Nase.

In den Dreißigern erschien das durch Opportunismus, Draufgängertum, Imperialismus und Kolonialismus gekennzeichnete Genie Churchill ziemlich gescheitert. Da kamen ihm Hitler und der Nationalsozialismus mit ihrer Kriegspolitik zu Hilfe. Churchill beschwor und organisierte als Premierminister den britischen Widerstand. Gemeinsam mit Charles de Gaulle war er am Anfang des Zweiten Weltkriegs entscheidend für die Gegenwehr gegen die deutschen Agressoren. Der Antikommunist Churchill wurde so zu einem Begründer des freien Europa (Hannes Hintermeier, FAZ 24.1.15; Johann Schloemann, SZ 24./25.1.15; Thomas Kielinger, Die Welt 24.1.15).

Nach 1945 wurde er nochmals Premierminister. Aber es waren andere Zeiten. Mitte der fünfziger Jahre war seine politische Karriere zu Ende. Er zog sich ins Privatleben zurück. Und malte. Churchill hat kein politisches Programm hinterlassen, keine Verfassungslehre, keine Denkschule. Er war ein großer Individualist. Von titanischen Dimensionen. Zum fünfzigsten Todesdatum sind sehr viele Bücher über Churchill erschienen, die ich bisher alle nicht kenne. In Deutschland haben wir die wunderbare Biografie von

Sebastian Haffner: Winston Churchill in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Hamburg (Rowohlt) 1967, 188 Seiten.

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