809: DDR-Erbe mitverantwortlich für Pegida

Brunhild Kurth ist seit 2012 Kultusministerin in Sachsen. 2015 führt sie für ein Jahr die Konferenz der Kultusminister (KMK). Anna Lehmann hat sie für die „taz“ (14.1.15) nach den Ursachen für Pegida gefragt.

Kurth antwortet: „Das Ursachengefüge ist komplex. Es sind viele verschiedene Probleme, die zur Sprache kommen. Einige lassen Unverständnis über unser politisches und gesellschaftliches System erkennen. Ich war in der DDR 13 Jahre Lehrerin und war bis 2001 in der Schulstube aktiv. In dieser Zeit haben die Menschen in Sachsen sehr starke Veränderungsprozesse durchlebt. Geblieben ist eigentlich nur der grüne Pfeil an den Ampeln. Diese Umbruchsituation hat es in den alten Bundesländern so nicht gegeben. Es braucht viel Zeit die demokratischen Verhältnisse zu verstehen und zu verinnerlichen. Die Erfahrung mit der Demokratie ist noch ein junges Pflänzchen. Da haben wir vielleicht noch Hausaufgaben zu machen, damit ein starker Baum daraus wird.“

Die TU Dresden hat an drei Montagen in Dresden 400 Teilnehmer an Pegida-Kundgebungen befragt. Das ist natürlich noch nicht repräsentativ, gibt aber einen ersten Einblick. Der typische Pegida-Demonstrant ist demnach

48 Jahre alt, männlich, konfessionslos. Er ist in Sachsen zu Hause, stammt aus der Mittelschicht, ist gut ausgebildet und verdient mehr als der Durchschnitt.

Es war nicht einfach, 400 Personen zur Auskunft zu bewegen. Insbesondere weil nur ein knappes Viertel der Demonstranten wegen des Islam, des Islamismus und der Islamisierung kommt. Die Demonstranten sind hauptsächlich gegen

die politische Klasse

und gegen

„die Medien“.

„Damit handelt es sich keinesfalls um eine Bewegung Rechtsextremer oder frustrierter Arbeitsloser“, so der Forschungsleiter, der Politologe Hans Vorländer (SZ 15.1.15).

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