808: Vom Nutzen und Nachteil der Poesie für das Leben

Nainas Tweet „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“ (Imre Grimm, Göttinger Tageblatt 15.1.15) Das ist der Angriff des Bildungsphilistertums auf uns Liebhaber von Gedichten. Den wir so nicht hinnehmen. Ich kenne Nainas Spießerwelt. Jeden Tag bin auch ich von ihr umgeben. Wo die Kenntnisse vom „richtigen Leben“ vorhanden sind, aber nicht von Poesie und Literatur, es fehlt an Fantasie.

1. Die Spießer nehmen an, dass in der Schule das „richtige Leben“ reproduziert werden soll, aber das stimmt nur zur Hälfte. In der anderen Hälfte wird kritisiert, dort werden Vorschläge gemacht, wie die Welt verändert und verbessert werden kann. In der Schule geht es eben nicht nur um die Reproduktion des Vorhandenen.

2. Naina sollte etwas lernen über die Poesie der Heinrich von Kleist, Paul Celan, Ingeborg Bachmann (über die meine Tochter ihre Examensarbeit geschrieben hat) und Sarah Kirsch. Hoffentlich kommen die in der Schule vor.

3. Es herrschen abenteuerlich reduzierte Begriffe von dem vor, was „realistisch“ ist. Die Kommunisten zum Beispiel sind beim „sozialistischen Realismus“ hängen geblieben. Die Nazis bei der „deutschen Kunst“. Banausen!

Zum Ende: Ich war auf einem „Realgymnasium“. Die Schule hat mir damals gut gefallen. Heute auch noch. Ich habe viel in Mathematik und in den Naturwissenschaften gelernt. Sehr gut! Aber noch heute leide ich darunter, dass wir etwa nichts von Kunstgeschichte und griechischer Mythologie gehört haben. Das kann man im Leben nicht aufholen. „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“

Naina empfehle ich, schon mal im Interesse des Immobilienkapitals den Mietspiegel auswendig zu lernen.

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