800: Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

Die offene Gesellschaft ist heute wieder bedroht. Da ist es richtig, dass wir uns der Herkunft dieser Theorie bewusst werden. Sie stammt von Karl Raimund Popper (1902-1994). Aus seinem Hauptwerk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ (1945). Es ist die Programmschrift des Antitotalitarismus. Gegen Kommunismus und Faschismus gerichtet. Popper, der als gebildeter Sozialist begonnen hatte und zum liberalen Denker wurde, war sich darüber im Klaren, dass die offene Gesellschaft kein Geschenk des Himmels ist, sondern immer wieder neu errungen werden muss. In unseren Köpfen.

Der Widerstreit zwischen offener und geschlossener Gesellschaft ist im Menschen selbst angelegt. In seinen Bedürfnissen nach dem „verlorenen Gruppengeist des Stammes“ einerseits und dem Streben nach Freiheit zum anderen. Popper schrieb: „Wir tragen das Kreuz dafür, dass wir menschlich sind.“ (Volker Zastrow, FAS 11.1.15)

Die zentrale Stelle in Poppers Schrift lautet: „Wir können niemals zur angeblichen Unschuld und Schönheit der geschlossenen Gesellschaft zurückkehren. Unser Traum vom Himmel lässt sich auf Erden nicht verwirklichen. Wenn wir erst mit Unterdrückung von Vernunft und Wahrheit beginnen, dann müssen wir mit den brutalsten und heftigsten Zerstörung all dessen enden, das menschlich ist. Es gibt keine Rückkehr zu einem harmonischen Naturzustand. Wenn wir uns zurückwenden, dann müssen wir den ganzen Weg gehen – wir müssen zu Bestien werden. Aber wenn wir Menschen bleiben wollen, dann gibt es nur einen Weg, den Weg in die offene Gesellschaft.“

Popper steht gegen fundamentalistisches und totaltäres Denken. Als ich studiert habe, war das noch der Marxismus.

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