781: Fritz Rudolf Fries ist tot.

1966 erschien Fritz Rudolf Fries‘ Debütroman „Oobliadoh“ auf Vermittlung des sieben Jahre vorher aus der DDR geflohenen Uwe Johnson bei Suhrkamp. Dieser Roman, eine Jugendgeschichte, deren Lebenselixier der Jazz ist, galt der DDR-Kultusbürokratie von vornherein als „snobistisch“. Er ist bis heute die bekannteste Publikation von Fritz Rudolf Fries. Sein Erzählungsband „Der Fernsehkrieg“ war 1969 seine erste literarische Veröffentlichung in der DDR. Fries weitere Veröffentlichungen bis hin zu „Hesekiels Maschine“ (2004) machten ihn zu einem zunächst angesehenen Rezensenten und Essayisten. Bis Fries sich in seinem Tagebuchband „Im Jahr des Hahns“ (1996) als Mitarbeiter der Stasi zu erkennen gab. Das war der Preis dafür, dass er nach „Oobliadoh“ in der DDR publizieren konnte. Von der darauf folgenden Ächtung hat sich Fries‘ literarischer Ruf nicht mehr erholt.

Er war einen eigenen Weg gegangen. Geboren wurde er 1935 in Bilbao, seine Mutter war Spanierin. 1942 zog die Familie nach Deutschland um. In Leipzig studierte Fries nach dem Krieg u.a. bei Hans Mayer und arbeitete dann als Übersetzer und Kinderbuchautor, bis er wissenschaftlicher Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften in Ost-Berlin wurde. Seinen Job verlor er nach „Ooobliadoh“, ehe er sich bei der Stasi verpflichtete. Dies zerstörte den Ruf von Fries nachhaltig, obwohl er literarisch in andere Zusammenhänge gehört. Für Helmut Böttiger (SZ 20./21.12.14) stand Fries in den Achtzigern kurz vor dem Büchner-Preis. Den hat er nicht bekommen.

Fries ist am 17. Dezember bei Berlin gestorben (Andreas Platthaus, FAZ 20.12.14).

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