Je mehr Filme Woody Allen macht, desto ähnlicher werden sie sich. Nun erscheint „Magic in the Moonlight“ (Kamera: Darius Khondji; mit: Colin Firth, Emma Stone; Warner; 97 Minuten).
David Steinitz (SZ 3.12.14) sieht darin einen „Zeitreisefilm“ und schreibt sehr plausibel: „Seine Filme, die alten wie die neuen, spielen allesamt in einer irgendwie aus der Zeit gefallenen Parallelwelt, selbst wenn sie in der Gegenwart angesiedelt sind. Hat es das New York aus dem ‚Stadtneurotiker‘ und ‚Manhattan‘ wirklich je gegeben? Oder waren diese Filme nicht bereits zu ihrem Entstehungszeitpunkt zärtliche Behauptungen eines Sehnsuchtsorts, der kurz zuvor von Scorseses ‚Taxi Driver‘ schon gnadenlos entzaubert wurde?“
Natürlich rennt Allen der Idee der romantischen Liebe hinterher und verzweifelt gleichzeitig an ihrer Nicht-Existenz. Das ist seit 50 Jahren und 50 Filmen ja der Grund, weshalb er so verehrt wird.
Dieses Mal geht es um einen Engländer, der als chinesischer Magier in einem Berliner Varieté von 1928 an die Cote d‘ Azur geschickt wird, um dort magische Unklarheiten zu beseitigen. Angelehnt an Harry Houdini agiert er als „Anti-Spiritist“, um eine dort erfolgreiche Magierin als Schwindlerin zu entlarven.
„Mit Colin Firth als Zauberer Stanley, der in Wahrheit Houdini ist, der in Wahrheit Woody Allen ist, müsste Allen also eigentlich ein Meisterstück der Selbstumkreisung gelingen. Tatsächlich ist Firth auch ein wunderbarer Allen-Atavar, der lieber in der dunklen Stube Kartentricks übt, als draußen die südfranzösische Sonne zu genießen, und der die neurotische Autopsychoanalyse sehr pointiert, aber ohne allzu große Zappeligkeit spielt.“
Woody Allens Meisterstücke leben von der ewigen Dialektik, „ob man sich für dieses kurze, triste Menschenleben in eine zauberhafte Illusion flüchten sollte oder ob doch irgendwie alles wurscht ist“.