748: „Entartete Kunst“ behandeln wie Raubkunst?

Der Umgang mit von den Nazis geraubten und beschlagnahmten Bildern ist sehr schwierig, auch wenn ganz klar ist, dass sie in sehr vielen Fällen jüdischen Eigentümern weggenommen oder unter Repression abgepresst worden sind. Das liegt u.a. daran, dass sich viele deutsche Museen nach dem Krieg bemüht hatten, gerade von den Nazis für „entartet“ gehaltene Kunst nun zu erwerben, abstrakte Malerei galt als Ausdrucksform der freien Welt (Heribert Prantl/Kia Vahland, SZ 20.11.14; Kia Vahland, SZ 24.11.14).

In dem Bemühen um Gerechtigkeit hat die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts Jutta Limbach, der die genannten Schwierigkeiten genau bekannt sind, nun vorgeschlagen, mit einem neuen Gesetz dafür zu sorgen, dass „entartete Kunst“ behandelt wird wie Raubkunst. Als „entartet“ galten etwa Werke von Max Beckmann, George Grosz, Wassily Kandinski, Paul Klee oder Max Pechstein. Hitler hatte 1937 angeordnet, dass alle deutschen Museen Werke herausgeben müssten, die für ihn Ausdruck von „Kulturverfall“ waren. Die wichtigsten der beschlagnahmten Werke wurden in der Wander-Ausstellung „Entartete Kunst“ von 1937 an gezeigt. Sodann wurden viele der konfiszierten Bilder im Auftrag und auf Rechnung des Deutschen Reiches von Kunsthändlern im Ausland versteigert und verkauft.

Jutta Limbach, die Vorsitzende der Raubkunst-Kommission, möchte nun, dass die Werke an die Museen zurückgegeben werden, denen sie bis 1937 gehörten. Das stößt bei vielen Museen heute nicht auf Gegenliebe. Die Stiftung preußischer Kulturbesitz, die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen etwa befürchten wohl, bei einem auf diese Weise in Gang gesetzten Ringtausch selber viele Gemälde, die sie nach 1945 erworben haben, zurückgeben zu müssen. Die internationale Zusammenarbeit der Museen werde empfindlich gestört. Das Sammlerehepaar Sofie und Emanuel Fohn hatte den Staatsgemäldesammlungen 1965 Werke geschenkt. Die Sammlung Fohn müsste dann Bayern verlassen. Die Museumsdirektoren möchten nicht am „Burgfrieden“ nach 1945 rütteln.

Heute soll die Zukunft der Sammlung Gurlitt bekanntgegeben werden. Darin sollen sich 460 Werke aus deutschen Museen befinden, die Cornelius Gurlitt im Frühsommer 2014 dem Kunstmuseum Bern vermacht hat. Sein Vater Hildebrand Gurlitt hatte Anfang der vierziger Jahre 400 von Emil Nolde gestaltete Blätter aus dem Folkwang Museum in Essen an den Hannoveraner Schokoladenfabrikanten Bernhard Sprengel verkauft. Dieser wiederum gab die Werke nicht zurück, sondern dedizierte sie dem nach ihm benannten Sprengelmuseum in Hannover.

Eine der wenigen, die sich über Limbachs Initiative freuen, ist Dorothee Hansen, die stellvertretende Direktorin der Kunsthalle Bremen. Die Kunsthalle gehört seit dem 19. Jahrhundert einem bürgerlichen Kunstverein. Hansen: „Das Deutsche Reich hat damals also die Institution eines privatenTrägers bestohlen. Natürlich ist die Beschlagnahme verjährt. Es wäre aber richtig, die Bilder dem Kunstverein zurückzugeben. Ich stimme Frau Limbach zu.“

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