Ins Zentrum des politischen Interesses gelangen die Linken, wenn sie einen Ministerpräsidenten stellen wollen. Oder wenn sie Putin unterstützen und ihre Antisemiten von der Leine lassen. Das liegt daran, dass hier besonders klar noch der Sumpf der SED deutlich wird. So waren „linke Antizionisten“ an Bord des türkischen Blockadebrechers „Mavi Marmara“, der – unter dem Vorwand humanitärer Hilfe – 2010 die israelische Seeblockade Gazas durchbrechen wollte. 2014 wurden ausgerechnet zum 9. November „Antizionisten“ von einigen Linken eingeladen, die Israel gerne mit Nazideutschland gleichsetzen. Als sie von Gregor Gysi ausgeladen wurden, verfolgten sie ihn mit Kameras bis auf die Toilette (Richard Herzinger, Die Welt, 15.11.14; Stefan Braun, SZ 17.11.14; Constanze von Bullion, SZ 18.11.14) .
Nun sollen die Wogen geglättet werden.
Das Problem, das die Linke mit ihren Antisemiten hat – viele Linke sind ja israelkritisch, aber nicht antisemitisch – besteht darin, dass viele ihrer Wähler aus DDR-Tradition „antizionistisch“ denken. Diese Wählerstimmen haben den Kohl in Thüringen erst fett gemacht. Die Linken-Führung zögert deswegen, sich wirksam von den Antisemiten abzugrenzen.
Die Linke pflegt die Legende, dass Antisemitismus nur bei Rechten vorkomme. Dabei wurde die „Antisemitenliga“ 1879 von dem linken Radikaldemokraten Wilhelm Marr gegründet. Der französische Frühsozialist Pierre-Joseph Proudhon hatte vorher schon die physische Ausrottung der Juden propagiert. Karl Marx, der jüdischer Herkunft war, aber sich hatte protestantisch taufen lassen, hat viele antisemitische Sottisen losgelassen, ohne einfach Antisemit zu sein. In seiner Abhandlung „Zur Judenfrage“ (1843) setzte er Judentum und Kapitalismus gleich. Die Dialektik erlaubte ihm dann ideologische Bocksprünge wie den fiolgenden: „Die gesellschaftliche Emanzipation des Juden ist die Emanzipation der Gesellschaft vom Judentum.“
Die Grünen-Bundesführung hat den Linken-Antisemitismus scharf kritisiert. Die Parteivorsitzende Simone Peter erklärte, dass die antisemitischen Äußerungen einiger Linker „besorgniserregend und für eine Partei, die irgendwann Minister in einer deutschen Regierung stellen möchte, schlichtweg inakzeptabel“ seien. Die Grünen haben allerdings ebenfalls Probleme mit ihrer Basis, wo Fahrradindianer und andere Ideologen ihr Unwesen treiben.