711: Hooligans: Salafismus ist nur vorgeschoben.

Die „Schlacht“ am Kölner Dom hat uns wegen der Zahl der Hooligans und ihrer Gewalt erschreckt. Jannis Brühl hat für die SZ (28.10.14) Michael Gabriel dazu befragt. Er leitet die Koordinierungsstelle Fanprojekte in Frankfurt am Main.

SZ: Dass Hooligans Lust auf Stress haben, dürfte wenige überraschen. Aber warum interessieren sich einige von ihnen plötzlich für Salafisten?

Gabriel: Rechte Hooligans gab es schon immer. Die versuchen jetzt, über ein Thema Anschluss an die Mehrheitsgesellschaft zu finden. Eine ähnliche Strategie benutzt die NPD ja beim Thema „Härtere Strafen für Kindesmissbrauch“. Das zeigt, dass wir es mit einer gesellschaftspolitischen Fragestellung zu tun haben.

SZ: Diese rechte Kampagne kommt gar nicht aus den Stadien?

Gabriel: Nein, die Fankultur in den Stadien ist mittlerweile von den Ultras geprägt. Die stehen in vielen Teilen für eine bunte, lebendige Fankultur und richten sich auch oft gegen Rassismus. Die Schickeria-Fans des FC Bayern haben ja erst den Julius-Hirsch-Preis des Deutschen Fußballbundes bekommen, weil sie Kurt Landauer, den jüdischen, ehemaligen Vereinspräsidenten, aus der Vergessenheit geholt haben. Es gibt noch Hooligans in den Stadien, aber die haben keine große Bedeutung mehr für die aktuelle Fankultur. Wir beobachten aber auch, dass alte Hooligan-Gruppen zum Beispiel in Aachen, Dortmund und Düsseldorf antirassistische Ultras angreifen. Wir glauben, dass das eine Parallele zu dem aufweist, was jetzt so massiv in Köln passiert ist. Das Thema Salafismus ist wohl nur vorgeschoben, es geht vielmehr darum, eine breite rechtsextreme Agenda gesellschaftlich durchzusetzen, auch in der Fankultur.

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