Roland Jahn ist seit 2011 der Bundesbeauftragte für die Stasi-Akten (Mechthild Küpper, FAZ 4.10.14; Marko Martin, Die Welt 4.10.14).
Als Opfer der Repression dort äußerte er sich bei seiner Amtseinführung rigoros: „Die Beschäftigung von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern in der Behörde für die Stasi-Unterlagen ist unerträglich. Jeder ehemalige Stasi-Mitarbeiter, der in der Behörde angestellt ist, ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer. Die SED- und MfS-Opfer sehen die öffentliche Akzeptanz der für sie so wichtigen Behörde in Frage gestellt, teilte die Union der Opferverbände kürzlich der Presse mit. Die Beschäftigung von ehemaligen Stasi-Mitarbeitern in der Behörde beschädigt die Glaubwürdigkeit der Aufarbeitung der Tätigkeit der Staatssicherheit. Glaubwürdigkeit – das ist die Grundlage für die Arbeit und für die Existenz dieser Behörde.“
Nun hat Roland Jahn ein Buch vorgelegt, in dem er auch viel Verständnis für die vielen Mitläufer in der DDR an den Tag legt.
Roland Jahn: Wir Angepassten. Überleben in der DDR. München (Piper) 2014, 192 S., 19,99 Euro.
Jahn geriet in die Mühlen der DDR-Repression, als er sich 1976 nach Wolf Biermann erkundigte, der gerade ausgebürgert worden war. Jahns Freund Matthias Dommaschk starb 1981 in der Stasi-Untersuchungshaft. Jahn selbst wurde zu 22 Monaten Gefängnis verurteilt, jedoch nach wenigen Wochen entlassen und zwangsweise in die Bundesrepublik verfrachtet. Hier hat er als Journalist gearbeitet (z.B. für „Kontraste“ von der ARD). Inzwischen gesteht Jahn auch ein, dass er in der DDR vielleicht mehr Rücksicht auf seine Eltern hätte nehmen sollen.
„Die Mehrheit der Menschen, die in der DDR gelebt haben, kann sich weder mit der Definition eines Täters noch mit der eines Opfers identifizieren. Die großen Debatten über Stasiverstrickung und Diktaturanalyse fegen direkt über ihre Erinnerungen hinweg.“
„Der Staat, gelenkt von der SED, saß wie eine Krake in fast jeder Ritze des Lebens seiner Bürger. Es gab kein Entrinnen, immer nur temporäre Erleichterungen auf der Strecke dazwischen, geprägt von der Hoffnung, dass es dieses Mal vielleicht doch anders kommen könnte – vor der Gewissheit des Ankommens. Dort, wo die Partei schon selbstgewiss lächelnd stand.“
„In einer Diktatur sind die Konsequenzen des Handelns ungleich weitreichender als in einer Demokratie. In unterschiedlichsten Lebenslagen, in unterschiedlichen Jahrzehnten hatte jede Art von Verhalten in der DDR unkalkulierbare Folgen.“