682: Gregor Gysi ist noch nicht so weit.

Gregor Gysi ist ein sehr charmanter Mann. Und ein brillanter Rhetoriker. Wohl auch ein guter Jurist. Aber aus seiner Vergangenheit kommt er nicht heraus. Wie wir alle. Seine Vergangenheit wird bestimmt von der DDR. Der hat er gedient, auch wenn er das heute selber nicht mehr einräumen würde.

Anlässlich von 25 Jahren Mauerfall ist Gysi nach dem Charakter der DDR befragt worden (Constanze von Bullion, SZ 1.10.14). Seine Antwort ist typisch für ihn und für die Linke. Gysi sagt: „Es gab Unrecht, auch grobes Unrecht. Ich sage, es war eine Diktatur, und es war kein Rechtsstaat.“ Demnach war also die DDR

eine Diktatur

und kein Rechtsstaat.

So weit, so gut. Dann fügt Gysi hinzu: „Aber ein Unrechtsstaat, das ist für mich der Hitlerstaat.“ Im Hinblick auf Nazi-Deutschland kann hier ja kein Zweifel bestehen. Also: einverstanden. Aber dann ergänzt Gysi noch: „Es stimmt eben nicht, dass ein Staat, der kein Rechtsstaat ist, ein Unrechtsstaat ist.“ So viel juristische Rabulistik braucht Gysi zu seiner eigenen Rechtfertigung.

Warum kann Gregor Gysi nicht erkennen, dass die DDR ein Unrechtsstaat war? Weil er der Nomenklatura angehörte und insofern Mitverantwortung hat für das gesamte Unrecht in der DDR: die Mauer, die politische Auswahl der Studenten, die fehlende Reisefreiheit, die fehlende Meinungs- und Medienfreiheit, die politische Justiz etc.

Das kann Gregor Gysi auch heute noch nicht zugeben, weil seine Schuld es anscheinend nicht zulässt. Gelangt er noch je dahin?

One Response to “682: Gregor Gysi ist noch nicht so weit.”

  1. Lukas Sander sagt:

    Ich bin davon überzeugt, dass es nichts bringt, die DDR-Diktatur und das NS-Terrorregime zu vergleichen. Ich empfehle die Lektüre von Wolfgang Wippermann „Dämonisierung durch Vergleich“.

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