618: Die „Damen in Weiß“ – eine Menschenrechtsorganisation auf Kuba

Die 2003 auf Kuba gegründete christliche Menschenrechtsorgnaisation „Damen in Weiß“ arbeitet erfolgreich. Schon mehrmals hat sie Dissidenten aus dem Gefängnis freibekommen. So 2011, als 75 Oppositionelle vorzeitig aus der Haft entlassen wurden. Die kubanische Diktatur tritt die Menschenrechte mit Füßen. In der Haft ist es vorgekommen, dass Insassen so verprügelt wurden, dass sie erblindeten, oder dass Schwangere nach Tritten des Wachpersonals ihr Kind verloren. Einige Familien, deren Angehörige in Haft waren, haben Kuba inzwischen in Richtung Spanien verlassen. Zwölf Familien kämpfen weiter auf der Insel um die Menschenrechte. Dazu gehören 350 Frauen.

Annette Prosinger und Dietrich Alexander haben zwei von ihnen, Berta Soler und Yaquelin Boni, interviewt (Die Welt 28.6.14).

Welt: Das klingt so, als sei nach der Übernahme Raul Castros von seinem Bruder Fidel im Jahr 2008 nichts besser geworden, im Gegenteil. Man hatte kurzzeitig den Eindruck, Raul Castro würde sein Land reformieren und mehr Freiheiten, auch wirtschaftliche, gewähren?

Damen in Weiß: Nein, es ist nicht besser geworden, keine Entwicklung. Raul Castro geht es einzig und allein um den Machterhalt. Es war nur eine Übergabe vom großen Diktator an den kleinen Diktator. Die Unterdrückung nimmt noch zu. In der Öffentlichkeit, im Alltagsleben spürt man die Maßnahmen der Geheim- und Sicherheitsdienste. Aber das alles stärkt den Widerstand eher. Die Menschen haben immer weniger Angst, sie nehmen dieses unfreie Leben nicht mehr länger hin. Das Regime reagiert mit mehr Gewalt und schickt bezahlte Schlägertrupps gegen Oppositionelle. Auch Jurastudenten, Ärzte, Informatiker werden vom Regime gekauft.

Welt: Raul Castro ist jetzt 83 Jahre alt, sein Bruder wird am 13. August 88. Sie werden nicht ewig leben. Wie stellen Sie sich Kuba in zehn Jahren vor – nach dem Tod der Castro-Brüder?

Damen in Weiß: Mit ihnen gibt es für die Kubaner keine Chance. Ihre ‚Reformen‘ sind kosmetischer Natur und nur gedacht für eine positive Außenwirkung. Selbst privilegierte Kubaner wie Ballett-Star Alicia Alonso verlassen Kuba. Aber die Castro-Brüder sollen noch nicht sterben, sondern sie sollen sehen und miterleben, welche Veränderungen wir auf Kuba erkämpfen.

Welt: Sind Sie für die Aufhebung des Embargos?

Damen in Weiß: Auf keinen Fall. Das Embargo muss bleiben. Die kubanische Regierung versucht im Moment, sich mehr Luft zum Atmen zu verschaffen. Kubas Problem ist nicht das Embargo, sondern das System. Lockerungen jeder Art, ob politische oder wirtschaftliche, verlängern nur die Lebenszeit des Regimes.

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