607: Gregor von Rezzori 100

Im Mai 2014 wäre Gregor von Rezzori 100 Jahre alt geworden. Der Journalist, Schriftsteller und Drehbuchautor war eine singuläre Erscheinung in der deutschen Literatur und verkörperte etwas, das heute nicht mehr politisch korrekt ist. Attraktive Maskulinität. Er war ein sehr guter Schreiber, was allein ihn ja schon bei einigen verdächtig macht. Rezzoris Familie stammte ursprünglich aus Sizilien und landete in Wien. In der k.u.k.-Monarchie dienten sein Großvater und sein Vater dem Staat. Geboren wurde Gregor von Rezzori in Czernowitz in der Bukowina, die 1918 Rumänien zugeschlagen wurde (heute: Moldawien).1940 annektierte Stalin diesen Landstrich. Da wäre Rezzori ein Bürger der UdSSR geworden. Aber er war schon seit 1938 in Berlin. Nach dem Studium der Literaturwissenschaft und Kunst arbeitete er hauptsächlich als Drehbuchautor.

Nach dem Krieg fand Rezzori sich beim NWDR in Hamburg wieder. Er stand für das Schreiben mit leichter Hand, für große Unterhaltung, und galt als Lebemann und Dandy. Später scheute er sich nicht, für den „Playboy“ und „Elle“ zu schreiben. Rezzori arbeite einige Male auch als Schauspieler. So 1965 zwischen Brigitte Bardot und Jeanne Moreau in Louis Malles „Viva Maria“.

Als Schriftsteller hatte Gregor von Rezzori seinen Durchbruch mit den

„Maghrebinischen Geschichten“ (1953),

in dem er den fiktiven Balkanstaat Maghrebinien so überzeugend konstruierte, das dieser als fester Begriff in die deutsche Sprache Eingang fand. Weitere literarische Erfolge Rezzoris waren

„Ödipus siegte bei Stalingrad“ (1954),

„Ein Hermelin in Tschernopol“ (1958),

„Der Tod meines Bruders Abel“ (1976),

„Memoiren eines Antisemiten“ (1979) und

„Greisengemurmel“ (1994).

Gregor von Rezzori starb 1998 auf dem Gut seiner driten Frau in Mittelitalien, wo er 30 Jahre lang als Bauer und Viehzüchter gelebt hatte. Unvergessen der Handkuss, den er Alice Schwarzer in einer deutschen Fernseh-Talkshow Mitte der siebziger Jahre applizierte.

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