Für Mariam Lau feiert der Feminismus einen traurigen Sieg nach dem anderen („Die Zeit“, 6.3.14). Nun habe das Europäische Parlament beschlossen, in Sachen Prostitution dem nordischen Modell zu folgen. Es solle keinen Unterschied mehr geben zwischen Zwangsprostitution und freiwilliger Prostitution. Jeder Freier werde bestraft. Und das, obwohl Schweden keine guten Erfahrungen gemacht habe. Dort sei nämlich eine Zunahme an Gewalt gegen Frauen festzustellen.
„Die europäische Frauenbewegung ist dabei, zu einer Art Staatsfeminismus zu werden, einer Nelke in Aspik. … Es reicht nicht mehr, Zwangsprostitution und Menschenhandel zu bekämpfen, was in Deutschland mit einer kleinen Korrektur der bestehenden Gesetze leicht möglich wäre. Jetzt wird eine Geisteshaltung von oben verkündet, und Verstöße dagegen werden mit einem Bußgeld belegt: Es ist die Überzeugung, dass Prostitution, egal, unter welchen Umständen, nur der krasseste Ausdruck eines unterdrückerischen Machtverhältnisses zwischen Männern und Frauen ist, eines Machtgefälles, das mit jedem Sexakt neu bestätigt wird.“
„Das eigentlich Schlimme am Triumph des Staatsfeminismus ist nicht die Armada von Gleichstellungsbeauftragten, sind nicht Reglementierungen und Quoten, die er hervorgebracht hat. Gerade die Quoten haben in viele verschmockte Herrenrunden frische Luft gebracht. Das Deprimierende ist der Affekt des Misstrauens, den all das aussendet. … Weder Männer noch Frauen sind in diesem Weltbild wirklich handlungsfähige Akteure; Männer sind Täter, Frauen sind Opfer, keiner kann raus aus seiner Haut.“
Akademikerinnen mache man auf diese Weise keinen Mut zu Mann und Kindern.
„Feminismus ist die Antwort – aber was war noch mal die Frage? In Ländern wie Ägypten, Saudi-Arabien oder dem Iran liegt das auf der Hand, wo ein oft blutiger Kampf darum tobt, wer die Verfügung über den weiblichen Körper hat. In Westeuropa dagegen stehen die Feministinnen längst auf der historischen Bühne, scheinen aber nicht mehr recht zu wissen, was sie da machen sollen. … Was will das Weib? Es zeigt sich immer wieder – viele Feministinnen kennen die Frauen eigentlich nicht besonders gut.“
Kann das stimmen?