518: Scarlett Johansson ist nicht mehr Oxfam-Botschafterin.

Israel wird von einem internationalen Boykott bedroht (Peter Münch SZ 19.2.14). Er erstreckt sich nicht nur auf die Wirtschaft, sondern auch auf die Wissenschaft und die Kultur. Solche Drohungen sind nicht neu. Schon 2005 hatten Palästinenser die BDS-Bewegung ins Leben gerufen („Boykott, Desinvestition und Sanktionen“). Diese Gefahr ist in Israel wohl lange Zeit unterschätzt worden. Die Aufrufe zum Boykott richten sich gegen die israelische Besiedlungspolitik. Aber selbst wer das für legitim hält, muss erkennen, dass von einem Boykott der Siedlungen auch etwa 30.000 Palästinenser betroffen sind, die in den Siedlungen ihr Geld verdienen.

Die EU hat in einer Leitlinie für Wissenschaftler 2013 klargestellt, dass kein Forschungsgeld mehr in Institutionen jenseits der israelischen Grenzen von 1967 fließen darf. Jedes Kooperationsabkommen muss seit 2014 eine Territorialklausel enthalten. Die American Studies Association beschloss im Dezember einen akademischen Boykott Israels.

Die Schauspielerin Scarlett Johansson bekam zu spüren, wie weit die Boykottbewegung gehen will. Als sie Werbung für die Firma Soda-Stream machte, die u.a. in einem Industriepark nahe der Siedlungsstadt Maale Adumim produziert, wurde sie nach heftiger öffentlicher Auseinandersetzung ihren Status als Botschafterin der Hilfsorganisation Oxfam los.

Die internationalen Boykottdrohungen sind zu einem Streitpunkt innerhalb der israelischen Regierung geworden. Justizministerin Tzipi Livni und Finanzminister Yair Lapid warnen wie der US-Außenminister John Kerry davor, dass die Friedensgespräche mit den Palästinensern scheitern. Lapid orakelte, dass jeder Israeli das in seinem Geldbeutel spüren werde. Benjamin Netanjahu versammelte jüngst eine Ministerrunde, die Gegenmaßnahmen gegen den drohenden Boykott sondieren sollte. Wirtschaftsminister Naftali Bennett von der Siedlerpartei „Jüdisches Haus“ erläuterte, dass für ihn Sanktionen immer noch besser seien als die Gründung eines Palästinenserstaates. Denn dann drohten militärische Angriffe auf Israel.

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