Sein Lieblingsfilm war Hanif Kureishis „My beautiful laundrette“ („Mein wunderbarer Waschsalon“) (1985). Als Gesellschaftskritiker berühmt geworden ist Stuart Hall aber gemeinsam mit Raymond Williams und Richard Hoggart, mit denen er ab 1964 das „Centre for Contemporary Cultural Studies“ in Birmingham prägte (Lothar Müller, SZ 12.2.14, Christian Werthschulte, taz 12.2.14). Der 1932 auf Jamaika geborene Hall war ein Mitbegründer der „Cultural Studies“. In „The Popular Arts“ (1964) schrieb er über Billie Holiday, den Western, Pulp Fiction und Fernsehen.
Hall schrieb aber keine „großen Bücher“, sondern war ein „public intellectual“, der auch im Fernsehinterview seine Perspektiven zur Geltung bringen konnte. Als die alte politische Linke in ökonomistischen Basis-Überbau-Schemata zu versanden drohte, trat Hall 1957 in die Zeitschrift „New Left Review“ ein, deren Programm es war, die Kultur als Schlüsselsphäre der politischen Auseinandersetzung anzuerkennen und die reale kulturelle Praxis der Arbeiterklasse zu erforschen. An den britischen Wohlfahrtsstaat wurden ganz neue Analyse-Kategorien angelegt.
Der Filmemacher John Akomfrah hat einen Film über Hall gemacht. Er sagte über ihn: „Für uns war er ein Rockstar, eine Pop-Ikone mit Grips.“ Hall lebte zwischen den Kulturen. „Ich konnte kein Karibe sein, und ich konnte kein Engländer sein.“ Für dieses Dazwischensein erfand Hall den Begriff der „Hybridität“. Er selber lebte darin. Und er analysierte den Thatcherismus als „autoritären Populismus“, der populäres Verlangen ansprach, ohne es zu erfüllen. Eine vernichtende Kritik.
Was Hall aber vor allem auszeichnete, war, dass er als einer der ersten herausarbeitete, dass die Rezipienten nicht als passives Publikum der Massenmedien zu betrachten sind, sondern als selbstbewusste, selbstbestimmte und kreative Menschen ihre eigenen Lesarten entwickeln und insofern stets ein Stück weit unberechenbar bleiben. Bei allen Bemühungen der Propaganda, Werbung und Public Relations. Hall hat sein Nachdenken über Rassismus, Kultur und politische Theorie einmal als „unvollendete Unterhaltung“ bezeichnet.
Stuart Hall ist in London im Alter von 82 Jahren gestorben.