502: Uli Hoeneß, Theo Sommer, Alice Schwarzer – Steuerhinterzieher

Alice Schwarzer vermutet hinter der „Spiegel“-Veröffentlichung, dass sie in der Schweiz Steuern hinterzogen hatte, „Rufmord, Rufschädigung“ (Hans Leyendecker, SZ 3.2.14). Ihr Anwalt Christian Schertz pocht darauf, dass sich jeder Steuerpflichtige darauf verlassen können müsse, „dass die Vertraulichkeit und Verschwiegenheit der Finanzbeamten gewahrt“ bleibt.

Alice Schwarzer hatte sich im Gegensatz zu Uli Hoeneß erfolgreich selbst der Steuerhinterziehung angezeigt. Ihr Verhalten ist typisch für Steuerhinterzieher, die gerne nach der Tat die Behörden anklagen. Von einem Informanten war die Schwarzer-Steuerhinterziehungs-Geschichte auch „Bild“ und „Focus“ angeboten worden, für die Frau Schwarzer geschrieben hatte. Beide brachten die Geschichte nicht.

Der ehemalige „Zeit“-Chefredakteur Theo Sommer hatte 649 917, 66 Euro Steuern hinterzogen. Er wurde zu 19 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Sommer gab den Titel „Editor-at-Large“ bei der „Zeit“ auf. Er bezeichnete sein Verhalten als „gemeinschaftsschädlich“. Das finde ich überzeugend.

Die Frage, wie weit die Massenmedien über Steuerverfahren berichten dürfen, stellt sich durchaus. Am klarsten wurde das am Beispiel des ehemaligen Post-Chefs Klaus Zumwinkel, der bei der Durchsuchung seines Hauses von Kamerateams gefilmt und vorgeführt wurde. Ein Exzess.

Auf der anderen Seite ist nicht zu übersehen, dass der „Enthüllungsjournalismus“ dazu beigetragen hat, Steuerkriminalität nicht mehr als Kavaliersdelikt zu verkennen, sondern sie als Kriminalität wahrzunehmen.

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