539: Claude Lanzmann hat Hannah Arendt nicht verstanden.

Claude Lanzmann hat mehrfach Furore gemacht. Als Regisseur von „Shoah“ (1985), als Liebhaber von Simone de Beauvoir und mit seinen Lebenserinnerungen 2010 („Der patagonische Hase“). Nun kommt sein neuer Film heraus („Der Letzte der Ungerechten“), ein langes Gespräch mit dem „Judenältesten“ von Theresienstadt, Benjamin Murmelstein. Sascha Lehnartz hat Lanzmann für die „Welt“ (23.11.13) interviewt. Dabei zeigt sich, dass Lanzmann wie so viele andere „Prominente“ auch Hannah Arendts „Eichmann in Jerusalem“ nicht verstanden hat.

„Welt“: Hannah Arendt hat mit Blick auf Adolf Eichmann die berühmte Formulierung von der „Banalität des Bösen“ geprägt. Was halten Sie von diesem Konzept?

Lanzmann: Das Böse ist nicht banal. Diese Idee, die Hannah Arendt in die Welt gesetzt hat, ist eine wirklich schwache Idee. Sie belegt eher die Banalität der Schlussfolgerungen von Hannah Arendt. Sie hat ein paar gute Bücher geschrieben, aber was den Eichmann-Prozess betrifft, liegt sie vollkommen daneben. Der Eichmann-Prozess war ein abstoßender Prozess, denn er wurde von Ignoranten geführt, die in Eile waren. Das waren faule Leute, die ständig die Ortsnamen verwechselten und die unfähig waren, die Überlebenden zu befragen, die extreme Geschehnisse durchgemacht haben. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer das ist. Wenn man das während eines Prozesses macht, dann ist das fatal. Die kommen in dem Prozess zu der Ansicht, Eichmann habe nicht an der Kristallnacht teilgenommen. Dabei war er einer der Hauptorganisatoren in Wien.

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