535: Frankreichs Führung in Europa

Wir brauchen Frankreichs Führung in Europa. Schon wegen der Französischen Revolution 1789 ff. (Liberté – Egalité – Fraternité). Wegen seiner großen Philosophen und Gesellschaftstheoretiker

Descartes (1596-1650),

Montesquieu (1689-17559),

Voltaire (1694-1778),

Alexis de Tocqueville (1805-1859),

Jean-Paul Sartre (1905-1980),

Raymond Aron (1905-1983)

Albert Camus (1913-1960),

Michel Foucault (1926-1984).

Wegen der Menschenrechte. Weil nach 1945 Charles de Gaulle und Konrad Adenauer die französisch-deutsche Freundschaft begründet haben, die nicht von allen gleich verstanden worden ist, aber inzwischen die Basis von Europa darstellt. Und de Gaulles Formel vom „Europa der Vaterländer“ doch bedeutet die Vereinigung Europas bei Selbstbehauptung der Nationen.

Dieser wahrhaft konservative Politiker hatte 1968 die Größe zu sagen „Voltaire verhaftet man nicht!“, als Sartre festgesetzt werden sollte, der in den Mai 1968 verstrickt war. Mitterand und Kohl haben das deutsch-französische Vereinigungswerk erfolgreich fortgesetzt.

In den letzten Jahren mehren sich allerdings die Anzeichen dafür, dass es Frankreich nicht mehr so gut geht (Christian Wernicke, SZ 15.11.13; Joseph Hanimann, SZ 16./17.11.13). Gerade wirtschaftlich. Die Produktivität ist nicht hoch genug. Aber auch auf anderen Gebieten. Nun haben Menschen Frankreichs Zustand beklagt, die es mit dem Land nicht schlecht meinen können, die 101 Präfekten (Leiter der Départements). In ihrer Diagnose konstatieren sie „ein Klima des Pessimismus und des Misstrauens“. Ja, sie schreiben sogar: „Es gedeihen die Gärstoffe einer sozialen Explosion.“ Das kann einem ja Angst machen. Offensichtlich ist die soziale Lage tatsächlich sehr schlecht.

Es ist so, als ob es dem Land die Sprache verschlagen habe. Selbst die sonst so beredten Intellektuellen melden sich kaum zu Wort. Es geht u.a. um die Erhöhung der Lkw-Maut auf Landstraßen, die Erhöhung der Mehrwertsteuer in der Pferdezucht, die vielen Radarkontrollen. Der Protest verläuft nicht in den vorgesehenen Bahnen, wird etwa nicht von den Gewerkschaften vorgetragen, sondern äußert sich als „kleinbürgerlicher“ Poujadismus. Die „roten Mützen“ in der Bretagne bedrohen Paris.

Dazu kommt, und das macht die Lage so bedrohlich, zunehmend Fremdenfeindlichkeit. Zwei Drittel der Franzosen finden, dass es den Ausländern in ihrem Land besser geht als ihnen selbst. Das ist der Nährboden für Rechtsextremismus. Die „Front Nationale“ von Marine le Pen profitiert davon. Und das wird bedrohlich für Europa. Insbesondere dann, wenn sich die Populisten und Extremisten in der EU stärker zusammenschließen. Die „Front Nationale“ kann bei der Europawahl im Mai 2014 die stärkste französische politische Kraft werden. Eine Katastrophe wäre das.

Angesprochen fühlen sich „Les Petits blancs“. Sie sind in den Zonen der sozialen Schwäche schon in der Minderheit gegenüber den „Schwarzen“ und den „Arabern“. Da gibt es offenen Hass. Die „Petits blancs“ sind wegen eines Eigenheims noch weiter aus den Städten heraus gezogen. In den Großstädten sind die Mieten kaum zu bezahlen. Dafür wird ihr Lebensalltag wegen der großen Entfernungen vom Auto bestimmt. Sie fürchten die Erhöhung der Benzinpreise und der indirekten Steuern und verachten die umweltbewussten Innenstädter. Dazu kommt das katholisch-konservative Milieu, das auf Grund der Homo-Ehe zu neuem Aktivismus erwacht ist. Eine brisante Mischung. Francois Hollande hat ihr offenbar wenig entgegenzusetzen.

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