494: Dr. Schavan – reloaded

Obwohl Annette Schavan wegen Plagiats von der Universität Düsseldorf der Doktortitel entzogen worden ist, hat die Ludwig-Maximilians-Universität München die ehemalige Bundesbildungsministerin in ihren Hochschulrat berufen. Zwar hat Schavan beim Verwaltungsgericht gegen den Entzug geklagt, doch erklärte die hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Isabell Zacharias, dass sie sehr irritiert sei, dass während eines laufenden Verfahrens die Beschuldigte in den Münchener Hochschulrat berufen worden sei. „Das geht grundsätzlich gar nicht. Da bleibt mir fast die Spucke weg.“

Annette Schavan, die mit klarer Mehrheit wieder in den Bundestag gewählt worden ist, hat die Plagiatsvorwürfe stets bestritten. Sie hat Wert darauf gelegt, dass sie auf den Wahlzetteln als „Dr. Annette Schavan“ erschien. Und Bernd Huber, der LMU-Präsident, betonte: „Frau Schavan ist eine der erfahrensten Wissenschaftspolitikerinnen in Deutschland. Sie ist national und international vernetzt.“

In seinem Kommentar zu dem Fall Schavan schreibt Sebastian Krass (SZ 30.9.13): „Es ist auch wichtig zu sagen, dass Schavans Doktorarbeit nicht mit der von Karl Theodor zu Guttenberg gleichzusetzen ist. Ihr Fall ist strittiger als der Guttenbergs, der systematisch und plump abgeschrieben hatte. Dennoch ist Schavan im Moment nicht tragbar für Positionen im deutschen Hochschulbetrieb. … Und was ist eigentlich, wenn Schavan vor Gericht verliert? Dann wird es nicht nur für Schavan peinlich, sondern auch für die LMU.“

Ich kann mich nur wundern über den Umgang vieler Wissenschaftler und Universitäten mit Plagiaten. Einige tun fast so, als sei gar nicht geklärt, was ein Plagiat eigentlich ist. Natürlich spielt auch im Münchener Fall Schavan Macht die entscheidende Rolle. Aber einige Universitäten erwecken in Plagiats-Verdachtsfällen beinahe den Eindruck, als handele es sich bei Promotionen um Prozesse gegenseitiger Gefälligkeit. Was dann von „der Wirtschaft“ und an Stammtischen gerne aufgegriffen wird. Insbesondere von denen, die selbst nicht promoviert sind.

Wir sollten hauptsächlich an die vielen sehr fähigen und fleißigen jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler denken, die mit vollem Einsatz und unter Hintanstellung von ökonomischen Interessen ihre Promotionen anstreben. Dabei dienen sie der Wissenschaft und uns allen.

Keine faulen Kompromisse mit Schavan!

Meine Meinung ändert sich auch dann nicht, wenn Frank Walter Steinmeier ein Plagiat begangen haben sollte.

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