182: Finanzkrise demonstriert Unfähigkeit der Wirtschaftswissenschaften.

Die weltweite Finanzkrise, die Europa anscheinend besonders hart trifft, erweist die Unfähigkeit der meisten Wirtschaftswissenschaftler. Denn keiner von ihnen hat auch nur annähernd einiges von dem, was heute unseren Wohlstand und unsere Wachstumsmöglichkeiten bedroht, vorausgesehen oder gar vorausgesagt. Nun hat der Berliner Ökonom Ulrich Thielemann 93 Professoren zusammengebracht, welche die Misere beenden wollen. Sie haben den Aufruf „Für eine Erneuerung der Ökonomie“ veröffentlicht (www.mem-wirtschaftsethik.de). Darin geht es nicht zuletzt auch um moralische Fragen, die von vielen zeitgenössischen Wirtschaftswissenschaftlern ausgeblendet werden, weil sie um ihre Karriere fürchten.

Bei den 93 Hochschullehrern handelt es sich nicht nur um Ökonomen, sondern auch um Politologen, Pädagogen und Kulturwissenschaftler. Dies zeigt den fachübergreifenden Sinn des Memorandums an. Denn tatsächlich geht es um Fragen von „übergreifender gesellschaftspolitischer Bedeutung“. Die Unterzeichner des Memorandums sprechen sich für eine paradigmatische Pluralität von Sichtweisen aus. Sie wollen Nachwuchswissenschaftler ermutigen, auch vom Mainstream abweichende Positionen zu veröffentlichen. Denn daran fehlt es gerade. Der „Anspruch“ der Wirtschaftswissenschaften sollte darin bestehen, „eine reife, undogmatische Sozialwissenschaft“ zu werden und einer „guten und gerechten Ordnung der Gesellschaft“ zu dienen. Die Wirtschaftswissenschaften sollten sich davon lösen, ausschließlich Helfer bei der Profitmaximierung zu sein und unsoziale Modelle zu favorisieren. Dem Memorandum nach sollte Schluss sein mit mathematischen Exzessen, der Ausgrenzung anderer Disziplinen und der Fixierung auf das ‚Immer mehr‘.

Ich habe schon lange darauf gewartet, dass es zu solch einem Versuch der grundlegenden Kurskorrektur kommt.

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