Mit seiner Sotschi-Absage hat Joachim Gauck ein Zeichen gesetzt. Gegen die politisch aufgeladenen Olympischen Spiele dort. Sie sollen die Welt beeindrucken. 35 Milliarden Dollar sollen sie gekostet haben. Gegen die Natur dort und die Bewohner wurde eine neue Infrastruktur aus dem Boden gestampft. Korruption allenthalben. Die Bevölkerung wurde eingeschüchtert, um den Ablauf der Spiele nicht zu stören.
Wir erleben den klassischen Konflikt zwischen den Menschenrechten einerseits, für die Joachim Gauck steht, und den wirtschaftlichen Interessen von IOC, Unternehmen, Unternehmerverbänden und Gewerkschaften andererseits. 50 deutsche Firmen haben in Sotschi sehr gute Geschäfte gemacht.
Joachim Gaucks Verhältnis zu Russland ist gestört, seit sein Vater wegen „Spionage“ und „antisowjetischer Hetze“ vor 61 Jahren in den Archipel Gulag verschleppt wurde (und erst 1955 von dort zurückkehrte). Zu dem ehemaligen KGB-Offizier Wladimir Putin hat er kein gutes Verhältnis.
Nun mosert auch noch das Bundeskanzleramt. Es sei nicht rechtzeitig informiert worden. Und der SPD-Außenpolitiker Gernot Erler spricht von einer Kommunikationspanne.
Dabei steht fest, dass eine Teilnahme Gaucks an der Eröffnungsfeier in Sotschi als Rechtfertigung von Putins brutaler Machtpolitik hätte gedeutet werden können. Putin herrscht wie ein Autokrat. Die Massenmedien sind dort nicht frei. Der Fall Chodorkowski zeigt, dass Russland kein Rechtsstaat ist. Schwulen und Lesben werden verfolgt. Etc.
Joachim Gauck hat als DDR-Bürger die Instrumentalisierung des Sports durch eine Diktatur miterlebt. Als Leiter der Behörde zur Aufarbeitung der Stasi-Unterlagen kennt er den SED-Unterdrückungsapparat ganz genau. Dafür wird er heute noch auf der Linken gehasst. Gauck hat eine Lobrede auf Ines Geipel gehalten, die ehemalige Weltrekordlerin und wichtigste Aufklärerin über das DDR-Sportsystem. Das war zwar noch vor seiner Zeit als Bundespräsident. Es zeigt aber doch, dass Gauck seiner bürgerrechtlich-freiheitlichen Linie treu geblieben ist. Seine Absage der Sotschi-Reise ist konsequent. Sie steht im Einklang mit der Ablehnung der Olympischen Winterspiele in München 2022 in einem bayerischen Bürgerbegehren.