536: Die Amis und wir: unsere Doppelbindung an die USA

Seit klar ist, dass Angela Merkels Handy von der NSA abgehört worden ist, wird erneut über das deutsch-amerikanische Verhältnis nachgedacht. Darum ist es nicht zum Besten bestellt. Amerika-Bashing hat um sich gegriffen. Die USA fühlen sich seit 9/11 (2001) im Krieg und führen diesen unerbittlich mit allen erdenklichen Mitteln. Hauptsächlich mit denen von „Silicon Valley“ und Drohnen. Bis nach Guantanamo, das auch Barack Obama nicht abgeschafft hat.

Wir vergessen dabei nicht: Die USA sind die älteste Demokratie der Welt, sie haben die Menschenrechte verkündet, entscheidend zum Sieg im Zweiten Weltkrieg beigetragen und den Wiederaufbau Westeuropas mit dem Marshall-Plan bewerkstelligt. Auch aus Eigeninteresse. Aber zu unserem Nutzen.

Deutschland hatte es sich in Sicherheitsfragen bis zur Wiedervereinigung bequem gemacht und die Hauptaufgaben an die USA delegiert. Deutschland ist an sicherer und billiger Energie interessiert und am Frieden für Israel. Wenn dafür aber militärische Mittel eingesetzt werden, dann entdeckt Deutschland gerne seine pazifistische Seele. Eine verlogene Moral.

Die USA werden verantwortlich gemacht für die Lösung der Probleme in

– Syrien,

– Afghanistan,

– Irak,

– Iran,

– Libyen,

– Ägypten,

– mit der Al Quaida oder mit Cyber-Kriminellen. Die USA bändigen Russland und China und kümmern sich um die Konflikte im Südchinesischen Meer. Europa verhält sich bei diesen Konflikten nicht einheitlich, ist aber in vielen Fällen noch nicht einmal handlungsfähig.

Wir brauchen also die Sicherheits-Kompetenz der USA. Aber wir wollen keine Menschenrechtsverletzungen bis hin zur Folter wie in Guantanamo.

Allerdings hat sich die Rolle Deutschlands seit der Wiedervereinigung (1990) verändert. US-Präsident George Bush sen. erklärte die USA und Deutschland zu „partners in leadership“ (Stefan Kornelius, SZ 16./17.11.13). Diese „leadership“ stößt uns sauer auf. Wenn es um die Rettung des Euros geht. Oder in Afghanistan. Aber sich rauszuhalten, geht nun nicht mehr so leicht. Nicht zuletzt auch deswegen brauchen wir in Berlin eine handlungsfähige Regierung und keine Amateure von den Grünen oder Linken. Das sollten sich die Basis-Genossen von der SPD hinter die Ohren schreiben. Die rot-rot-grüne Option kann dann gezogen werden, wenn die Linken ihre außen- und sicherheitspolitischen Positionen geändert haben.

Sympathisch wirkt der Versuch von Hannes Stein („Die Welt“ 16.11.13), das Amerika-Bashing zu diskreditieren. Er bemüht dazu Schriftsteller wie Hermann Melville, Mark Twain und J.D. Salinger, Schauspieler wie Marilyn Monroe und Marlon Brando und Musiker wie Duke Ellington, Bob Dylan und die Beach Boys. Außerdem führt er die Qualität von Burgern an, eine altmodische Höflichkeit und die Meinungsfreiheit. Ausgerechnet. Da waren Max Horkheimer und Theodor W. Adorno mit ihrer „Dialektik der Aufklärung“ (1946) schon weiter.

Dialektik und Doppelbindung überall.

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