515: 1.500 Werke „entarteter“ Kunst aufgetaucht – riesiges Unrecht an den Eigentümern

2011 hat die Zollverwaltung in einer Münchener Wohnung 1.500 Werke „entarteter“ Kunst sichergestellt, von denen bis dahin angenommen worden war, dass sie verschwunden waren. Der Vorgang zeigt, wie aktuell die Eingriffe der Nazis in die Kunst und den Kunstmarkt auch heute, 2013, noch sind. Unter den Werken sind solche von Pablo Picasso, Henri Matisse, Franz Marc, Paul Klee, Edvard Munch und Max Beckmann.

Aufmerksam geworden war die Zollfahndung auf die Bilder, weil der in München ansässige Cornelius Gurlitt, ein Sohn des Dresdner Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt, nach einem Verkauf in Bern/Schweiz mit 18 500-Euro-Scheinen an der Grenze aufgefallen war. Die Beamten veranlassten eine Hausdurchsuchung, bei der die Kunst zum Vorschein kam.

Hildebrand Gurlitt hatte von den Nazis die Erlaubnis, mit „entarteter“ Kunst zu handeln. Für die Münchener Ausstellung 1937 waren ca. 20.000 Kunstwerke requiriert worden. Viele davon waren Eigentum jüdischer Sammler. Diese müssen nun erst wieder festgestellt werden. Wie brisant die Lage ist, wurde deutlich, als im Herbst 2011 bei einer Auktion des Hauses Lempertz Max Beckmanns „Löwenbändiger“ aus der Auktion genommen werden musste, weil die Erben des berühmten Kunstsammlers Alfred Flechtheim darauf Anspruch erhoben. Das Bild wurde restituiert und erzielte dann einen Preis von 864.000 Euro.

Auf der Suche nach den ca. 20.000 Werken „entarteter“ Kunst ist die Forschungsstelle „Entartete Kunst“ an der Freien Universität Berlin. Sie arbeitet seit zehn Jahren. Auch die Herkunft der 1.500 aufgetauchten Bilder soll nun von der Projektleiterin Meike Hoffmann geklärt werden. Häufig waren jüdische Sammler oder ihre Erben von den Nazis erpresst und enteignet worden. Der bekannteste Fall ist wohl der von Alfred Flechtheim, der auch Herausgeber des „Querschnitts“ war. Für die Konfiszierung gab es ein Reichsgesetz, weswegen die Verkäufe des Reichs bis heute als rechtmäßig gelten. Der staatliche Kunstdiebstahl des Dritten Reichs gilt gegenwärtig als verjährt.

Das empfinde ich als ein unbeschreiblich großes Unrecht. Und das wird anscheinend noch nicht überall im Kunsthandel so gesehen. Denn sonst wäre es ja wohl kaum möglich gewesen, dass Cornelius Gurlitt vom Verkauf der Kunstwerke hätte leben können. Es ist an der Zeit, mit dem verbrecherischen Kunsthandel der Nazis endlich so umzugehen, wie es angemessen ist. Vor allem kommt es darauf an, den jüdischen Eigentümern bzw. ihren Erben zu ihrem Recht zu verhelfen.

Möglicherweise verfügt Cornelius Gurlitt noch über weitere Bilderdepots, die bisher noch nicht gefunden worden sind. Dafür spricht das Auftauchen von Max Beckmanns „Löwenbändiger“ Monate nachdem die Bilder seiner Schwabinger Wohnung längst in einem Zolllager in Garching bei München sichergestellt worden waren.

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