499: Sven Regener will für Musik Geld und mag Populismus nicht.

Sven Regener ist Bestseller-Autor („Herr Lehmann“) und Musiker. In der Band „Element of Crime“ ist er seit 1985 Sänger, Texter, Gitarrist und Trompeter. Seine drei „Lehmann“-Bücher sind Kult. Das vierte ist gerade erschienen: „Magical Mystery oder die Rückkehr des Karl Schmidt“. Harald Freiberger und Jens Schneider haben ihn für die SZ interviewt (18.10.13).

SZ: Wann wussten Sie, dass es („Herr Lehmann“) Erfolg hat?

Regener: „Herr Lehmann“ war ja im Literarischen Quartett. Die Frau von Hellmuth Karasek hatte es gelesen und ihm empfohlen, er brachte es rein, Robert Schindel fand es ok, Iris Radisch fand es ganz blöd, und Marcel Reich-Ranicki sagte: „Ich habe bei dem Buch herzlich gelacht, und ich lache nie unter meinem Niveau.“ Da wusste ich, jetzt läuft’s.

SZ: Viel Aufmerksamkeit brachte Ihnen vor eineinhalb Jahren Ihre Wutrede gegen die freie Verwertung von Musik im Internet. Ihr Satz „man pinkelt uns ins Gesicht“ …

Regener: … der unglücklich formuliert war …

SZ: … aber einen Punkt traf: Dass künstlerische Arbeit wertlos wurde.

Regener: Nein, dass versucht wurde, sie zu entwerten. Die Apologeten der Online-Piraterie sagten uns: Das richtet sich ja nicht gegen die Künstler. Aber gegen wen denn sonst? Wir können unsere Musik nicht produzieren ohne Geld. Eine Platte kostet im Studio 80 000 und im Marketing 120 000 Euro. Das versuchte ich klar zu machen: Ihr bescheißt uns, ihr seid asozial, wenn ihr uns nicht bezahlen wollt.

SZ: Sie waren in jungen Jahren Anhänger einer bestimmten politischen Richtung.

Regener: Marxist-Leninist, auf jeden Fall, ja.

SZ: Sind Sie das noch?

Regener: Garantiert nicht.

SZ: Aber Sie haben es lang durchgehalten:

Regener: Naja, vom 15. bis zum 19. Lebensjahr. Bei jemand, der 52 ist, ist das nicht so lang. 1980 bin ich ausgestiegen. Aber es hat mich geprägt, auch in meiner Vorsicht gegenüber Dogmatismus und endgültigen Urteilen. Ich bin vorsichtig mit Populismus, dass man es sich geistig zu leicht macht und was das für inhumane Konsequenzen hat.

SZ: Wie ist Ihr Verhältnis zu Banken?

Regener: Ich hab‘ kein Problem mit Banken. Es ist klar, dass wir sie brauchen. Niemand hat Lust auf Tauschhandel: Mit einem Stier auf den Markt zu gehen und dann mit einem Heizkörper nach Hause zu kommen. Das ganze populistische Gerede gegen die moderne Wirtschaft – davon halte ich nichts, weil das bigott ist und heuchlerisch.

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