Anlässlich des Germanistentags 2013 („Germanistik für das 21. Jahrhundert – Positionierungen des Faches in Forschung, Studium, Schule und Gesellschaft“) kritisiert Burkhard Müller (SZ 27.9.13) die germanistische Fachdidaktik.
„Allgemein war der Unmut über Fachdidaktik und Schulbücher. Das Publikum reagierte fassungslos, als Helena Olfert (Duisburg/Essen) die erheblichen Versäumnisse von Fibeln für den Erstleseunterricht darlegte: Ob es denn keinen empirischen Test gebe, bevor ein Buch für die Schule zugelassen wird? Darauf gab es von einer erfahrenen Teilnehmerin die mit ruhigem Sarkasmus erteilte Auskunft: Die einzige Empirie für ein marktwirtschaftliches Unternehmen wie einen Verlag bestehe in den Verkaufszahlen. Im Forum stand eine Lehrerin auf und erklärte, sie habe die Nase voll von Fachdidaktikern, die das letzte Mal ein Klassenzimmer von innen gesehen hätten, als sie noch selbst zur Schule gingen. Sie erhielt heftigen Szenenapplaus. Aber so einfach ist die Sache nicht. Stattet man die Fachdidaktik mit Lehrstühlen aus, so erhält man akademische Fachleute eigenen Rechts, die gegenüber der Forschung wie gegenüber der Unterrichtspraxis ihren Abstand wahren. Holt man aber Schulpraktiker auf befristeten Posten an die Uni, wie es etwa in Schleswig-Holstein üblich ist, dann kommt wiederum die wissenschaftliche Komponente zu kurz.“
„In gewissem Sinn ist die Germanistik Opfer ihres Erfolgs geworden. Sie hat in den vergangenen Jahrzehnten in großem Umfang Stellen und Studierende gewonnen, sich immer mehr ausdifferenziert und gleichzeitig neue Bereiche von der Sozialgeschichte bis zur Filmsemiotik zu erobern versucht. Das lenkt leicht von Hauptsachen ab.“
„Das Fach gibt sich Mühe, das Image abzustreifen, es sei das universitäre Sammelbecken der Unentschiedenen.“