488: Edgar Reitz: Über die Deutschen und ihre Landschaft und den Protestantismus

Edgar Reitz, 81, hat durch seine Trilogie „Heimat“ im Fernsehen in Deutschland den Begriff der Heimat rehabilitiert. Nachdem er von Nationalisten, Faschisten und „Heimattümlern“ verhunzt worden und unbrauchbar gemacht worden war. Das bleibt sein großes Verdienst. Edgar Reitz hat aber auch über 20 Kino-, Fernseh- und Dokumentarfilme gemacht (z.B. „Mahlzeiten“ mit Heidi Stroh 1967). Am 3. Oktober startet sein neuer Film „Die andere Heimat“, der in den Hunsrück in die Zeit um 1840 zurückgeht. Thomas Bärnthaler und Gabriela Herpell haben ihn für das SZ-Magazin interviewt (13.9.13). Darin äußert sich Reitz auch zu dem gebrochenen Verhältnis, das die Deutschen zu ihrer Landschaft haben.

SZ-Magazin: Die Natur spielt ein große Rolle in ihren Filmen, als Seelenlandschaft. Ist das etwas typisch Deutsches?

Reitz: Im Gegenteil! Das Verhältnis der Deutschen zu ihrer Landschaft ist gebrochen. Einerseits wurde sie heroisiert, Riefenstahl, die Berge. Andererseits verteufelt. Ich vermute, das ist auch ein Erbe des Protestantismus, der die Heimat des Menschen nicht in der Landschaft, sondern im Glauben gesehen hat. Und alles, was an Naturgeister, an heilige Orte erinnert, wurde als heidnisch empfunden. Der klassische deutsche Film wurde fast komplett im Studio gedreht. Die Protestanten haben sich immer für ihre Landschaft geschämt. Ganz anders die Italiener, die ihr Land, ihre Provinz lieben.

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