Peter Bofinger erklärt, warum der Euro gerettet werden muss.

In der SZ vom 8.12. geht Peter Bofinger davon aus, dass die meisten Deutschen immer noch den elf Jahre alten Euro ablehnen, obwohl in seiner Zeit die Inflationsrate mit 1,5 Prozent deutlich niedriger lag als im Zeitalter der DM (2,7 Prozent). Die aktuellen Probleme würden nicht von der unzureichenden Etatdisziplin in Südeuropa stammen, sondern von der Finanzkrise. Die Investoren hätten ihr Geld auch dann in Irland verbrannt, wenn es seine alte Währung behalten hätte. Siehe Island.

Die Sehnsucht nach der DM verkennt, wie gefährlich es ist, wenn sich ein mittelgroßes Land in einer Welt mit spekulativen Finanzmärkten allein zu behaupten versucht. Die in Deutschland in den letzten Jahren geübte Lohnzurückhaltung hätte durch die damit gegebene Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit unweigerlich zu Aufwertungen der DM geführt. Wie in einem Teufelskreis.

„Die deutsche Politik sollte den Mut haben, deutlich zu sagen, dass unsere Volkswirtschaft den Euro braucht.“ Dann ist eine wirkliche Unterstützung der Problemländer möglich, und es findet keine Bestrafung statt. Es sollten keine Strafzinsen erhoben werden. Weil insbesondere die Bundesregierung die Beteiligung von Gläubigern an der Bereinigung der Finanzkrise proklamiert hat, stellt sie eine zentrale Regel des Kapitalmarkts in Frage. Danach wird eine Staatsanleihe zum Nennwert zurückbezahlt und nur in extremen Ausnahmen ein Abschlag vorgenommen. Unsicherheiten über die Rückzahlung führen genau dazu, dass der Krisenfall eintritt.

Bofinger sieht in Eurobonds das Mittel, die Probleme zu lösen. Dieses Instrument eröffnet den Mitgliedsstaaten die Möglichkeit, sich in einem Gemeinschafts-Wertpapier zu verschulden, das nicht mehr nach der Nationalität des Emittenden unterscheidet. Die Länder blieben für die Zinsen zuständig, die für von ihm emittierte Titel fällig werden. So könnten sich alle Länder zu niedrigen Zinsen refinanzieren. „Um die Märkte zu stabilisieren, würde es reichen, die Herausgabe von Eurobonds auf die Refinanzierung der bereits bestehenden Staatsschulden zu beschränken.“ Dabei solle für Anleihen, die in diesem Jahr mit einem hohen Zinsaufschlag emittiert wurden, ein Abschlag vorgenommen werden. Die Währungsunion dürfte insgesamt nicht ungünstiger als die USA bewertet werden, die trotz ihrer enormen Etatdefizite als erstklassiger Schuldner angesehen werden.

Zweifellos setze ein Instrument wie die Eurobonds mehr wirtschaftspolitische Integration voraus. Nach Bofingers Meinung müssten schon die nationalen Haushaltspläne grundsätzlich auf europäischer Ebene gebilligt werden. „Das ist die Entscheidung, um die es jetzt geht. … Wenn der Euro eine Zukunft haben soll, müssen die Staaten über ihren Schatten springen und Kompetenzen an Europa übertragen.“

Mehr Europa ist das Gebot der Stunde, nicht mehr Nationalismus.

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