Widerspruch zu Gunnar Heinsohn

In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ (15.9.2010) widerspricht Naika Foroutan Gunnar Heinsohn (dessen Beitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ vom 24.6.2010 hier im Blog bedacht worden ist). Foroutan nimmt an, dass Hindernisse der gesellschaftlichen Integration von nach Deutschland Zugewanderten mit muslimischen Migrationshintergrund kein Geheimnis sind. Spätestens seit dem ersten Integrationsgipfel 2006 sei dies klar. Zehn bis fünfzehn Prozent der Menschen mit muslimischem Migrationshintergrund hätten Probleme. Es gäbe ein „Bauchgefühl“ bei vielen Menschen, dass der Islam und die Muslime nicht zu Deutschland passten und deswegen auch nicht „wirklich deutsch“ sein könnten.

Die Integrationserfolge der ungefähr 90 Prozent integrierter Muslime würden nicht wahrgenommen. Und die fehlende Integration würde sogar auf mangelnde Intelligenz zurückgeführt. Dagegen spreche, dass bei der ersten Generation der muslimischen Gastarbeiter drei Prozent eine Hochschulzugangsberechtigung gehabt hätten, heute aber 27,4 Prozent. Die Abiturquote der iranischen, irakischen und afghanischen Migranten liege mit fünfzig Prozent sogar deutlich über derjenigen der Gesamtbevölkerung. Foroutan übersieht aber nicht die Probleme: „Dass die Zahl der türkischstämmigen Personen, die ihren überwiegenden Lebensunterhalt aus Hartz IV bestreiten, bei 9,5 Prozent liegt, ist im Vergleich zu 3,5 Prozent bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund, einen Katastrophe.“

Von einer Steigerung der Sozialhilfequote bei Türken von 5000 Prozent zu sprechen, sei allerdings demagogisch. Zudem verwende Heinsohn eine Statistik aus den sechziger Jahren, als Vollbeschäftigung geherrscht habe, und stelle sie aktuellen Daten gegenüber. All dies erschwere türkischstämmigen Menschen den Weg zum Arbeitsmarkt. „Der mitschwingende Verweis auf die ‚Unproduktivität‘ dieser Gruppe, ihre ‚Kosten‘ für den deutschen Staat und ihre Inanspruchnahme der kostenlosen Bildung, welche trotzdem nicht zu gleich hoher Intelligenz führe, zeugt nicht nur von einem entwürdigenden Utilitarismus. Er täuscht auch darüber hinweg, dass der größte messbare volkswirtschaftliche Schaden, der Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg getroffen hat, nicht von der Gruppe ‚der Muslime‘ ausgeht – sondern vom Finanzsektor, dem seltsamerweise bisher niemand die Intelligenz abspricht.“

Meines Erachtens argumentiert Foroutan schlüssig für die Integration, widerspricht Heinsohn aber im Wesentlichen nicht, der vor allem Zahlen vorlegt, die uns erschrecken lassen, und sich für eine vorurteilsfreie und nicht rassistisch bestimmt Zuwanderung der Tüchtigen ausspricht. Bei allen Zahlen aber muss unser Projekt die weitere und tiefere Integration sein.

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