Der Schauspieler Tom Schilling hat in „Oh, Boy“ brilliert, der mir sehr gefallen hat. Bekannt wurde er auch schon in „Napola“. Und in „Ludwig II.“, den ich erst kürzlich gesehen habe. Die meisten von uns kennen ihn aus der Fernsehserie „Unsere Mütter, unsere Väter“. Der Anzugträger gilt als nachdenklicher Künstler. Antje Wewer hat ihn für die SZ (16./17.3.13) interviewt.
Die Interviewerin fragt Schilling eingangs nach „Oh, Boy“.
Schilling: Der Regisseur Jan Ole Gerster, ein alter Freund von mir, hatte mir das Drehbuch zum Lesen gegeben. Allerdings nicht, um mich zu besetzen, nur um meine Meinung zu hören. Ich habe gleich die Poesie zwischen den Zeilen gelesen, dabei stand da noch gar nichts von eleganter Schwarz-Weiß-Ästhetik und Jazzmusik drin. Ich wusste sofort, diesen Niko, so heißt der Student, finde ich interessant, den will ich spielen. Ich habe dem Regisseur also einen fünfseitigen Brief geschrieben, in dem ich ihm meine innere Annäherung an die Figur dargestellt habe.
SZ: Bei einem Bier hätte man das nicht besprechen können?
Schilling: Nein, denn so sitzen wir ja ständig zusammen. Es brauchte eine andere Art von Dringlichkeit. Und da ist ein Brief mit schwarzer Tinte genau die richtige Maßnahme.
SZ: Niko wird bei der medizinisch-technischen Untersuchung von einem Psychologen gefragt: ‚Trinken Sie so viel, weil Sie so klitze-, klitzeklein sind?‘ Fanden Sie das fies, zumal Sie eben wirklich nicht besonders groß sind?
Schilling: Nö, ich hatte selbst die Idee, diesen Satz ins Drehbuch zu schreiben. In der Schulzeit war das mal ein Thema, da war ich immer der Kleinste. Ich finde mich übrigens gar nicht so klein, ich bin immerhin 1,70 Meter groß und trage auch keine Schuhe mit eingebautem Absatz wie Nicolas Sarkozy. Große Männer haben oft rein körperlich eine ganz andere Selbstverständlichkeit, auch im Umgang mit Frauen. Vielleicht ist es tatsächlich bei kleineren Männern so, dass sie deshalb früh lernen, sich interessant zu machen. Es gibt ja gewisse Instrumente …
SZ: Bei Ihnen ist es offensichtlich Selbstironie?
Schilling: Vielleicht auch mein Ehrgeiz? Ich bin sehr entschlossen und konsequent, wenn ich etwas will.