376: Warum wir Tiere halten und was das über uns aussagt.

Reinhold Bergler vom „Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft“ beantwortet Titus Arnu für die SZ einschlägige Fragen (9./10.3.13).

SZ: Welche psychologischen Motive für die Tierhaltung spielen eine Rolle?

Bergler: Da gibt es unterschiedliche Motive. Nehmen wir Hundehalter als Beispiel, über die haben wir dank einer Untersuchung meiner Kollegin Silke Wechsung relativ gesicherte Erkenntnisse. Ein relativ großer Anteil von ihnen, 22 Prozent, sind prestigeorientierte Hundehalter, die ihr Tier vermenschlichen und nicht unbedingt artgerecht halten. Der Hund ist für diesen Typ ein Statussymbol, er will sich durch das Tier selbst verwirklichen und selbst darstellen. Solche Leute haben wegen ihres Hundes oft Konflikte mit anderen Hundehaltern oder Nachbarn. 35 Prozent der Hundehalter stellen den Hund in den Mittelpunkt ihrer Lebensorientierung, die Bedürfnisse des Tieres, seine artgerechte Haltung stehen im Vordergrund. Und 53 Prozent der Hundehalter sind naturverbundene, kontaktfreudige Menschen, die das Tier artgerecht halten. Sie verfügen über das meiste Fachwissen und haben meist gut erzogene Hunde.

SZ: Das heißt, mehr als die Hälfte der Hundehalter stellen den Hund in den Mittelpunkt ihres Lebens, zu einem Teil werden die Tiere dabei auch vermenschlicht. Zu welchen Problemen führt das?

Bergler: Zunächst einmal zur Überernährung. Die meisten Menschen geben ihren Tieren viel zu viel zu fressen und glauben auch noch, dass sie ihnen damit etwas Gutes tun. Dazu kommen noch die Erziehungsprobleme.

SZ: Kann es sein, dass zu viele Leute einen Hund auch als Menschen-Ersatz sehen?

Bergler: Das kann sicherlich auch sein. Aber ein Hund kann niemals einen Menschen substituieren.

SZ: Wie wirkt ein Hund auf die Psyche des Hundehalters?

Bergler: Bei den meisten Befragungen geben die Leute an, dass ein Hund einen positiven Beitrag zur Lebensqualität leisten kann. Er fördert Verantwortungsbewusstsein, Kommunikation und Problemlösungsfähigkeit, vermittelt seelische Ausgeglichenheit und Wohlbefinden. Wir konnten nachweisen, dass Haustiere für Rollstuhlfahrer, Senioren, Kranke und Blinde eine wichtige Rolle auch als soziale Katalysatoren spielen. Das gilt übrigens nicht nur für Hunde und Katzen, auch Wellensittiche können positive Auswirkungen haben.

SZ: Was halten Sie als Menschenpsychologe von Hundepsychologen?

Bergler: Es handelt sich dabei oft um Titel, die sich Menschen ohne akademische Ausbildung zulegen. Psychotherapeuten für Hunde? Vielleicht gibt es wirklich zunehmend Hunde mit ausgeprägtem Fehlverhalten, aber hier muss man sich klarmachen, dass das in den allermeisten Fällen die Konsequenz des Fehlverhaltens des Menschen ist.

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